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Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte – Überblick

 

Einleitende Gedanken

Verbrennung eines Männerpaars in Zürich

Nichts spornt den Menschen und seinen Geist so an, wie das widernatürliche Eindämmen seiner Freiheit und naturgemässen Entfaltung. Eine Tatsache und Erfahrung so alt wie die Menschheit selbst. Aber sie tritt kaum anderswo dermassen konstant in Erscheinung, wie in der Geschichte der menschlichen Homosexualität und ihrer Ausgrenzungsversuche und Ausgrenzungsmechanismen. Diese hatten schliesslich immer den kürzeren Atem – und das ist sowohl das Tröstliche wie Hoffnungsvolle an unserer Geschichte, welche zu fast 100% aus Überlebensstrategien schuldlos zu Schuldigen gestempelter Opfer besteht.

Sie ist aber auch die Geschichte der schwierigen, meist einsamen Einsicht jedes Einzelnen in seine gleichgeschlechtliche Natur. Und so wird sie zur Geschichte der Emanzipation von uns allen und von innen heraus.

Je mehr wir über uns selber und unsere Vergangenheit wissen, desto sicherer treten wir auf und kommen voran. – Auch in der Entwicklung einer vielfachen, offenen Gesellschaft, die zu mehr Lebensqualität führt und damit den Boden bereitet zu breit gefächerter Leistungsqualität.

 

Ernst Ostertag, 3. April 2005


 

Die Verbrennung von Richard Puller von Hohenberg und Anton Mätzler
am 24. September 1482 in Zürich

Illustration aus Diebold Schilling, «Chronik der Burgunderkriege»,
um 1483, 3. Bd., Zentralbibliothek Zürich.

Die christliche Tradition der Verbrennung von Ketzern (und «Sodomie» galt als ketzerische Praxis), wurde mit den grossen Konzilien des 4. Jahrhunderts eingeführt. Die «Rechtgläubigen» beriefen sich auf Gleichnisse von Jesus Christus, wonach jene, die keine Früchte (des Glaubens) tragen, abgeschnitten werden, verdorren und ins Feuer geworfen werden, «und müssen brennen», wie Luther übersetzte. (Joh. 15, 6). Parallele Gleichnisse in Lukas (13, 6–9) und Matthäus (3,10).

Das US-amerikanische Schimpfwort für Schwule ist «fag», was Holzscheit bezeichnet und bedeuten kann: gut für den Scheiterhaufen. Die neuen Ausdrucksweise «bare branches» bedeutet dasselbe: unfruchtbar, abschneiden, verbrennen. Sie muss als das erkannt und genau so zurückgewiesen werde, wie jede Aufforderung zur Ausgrenzung und zum Mord. Für Homosexuelle gehört diese Bezeichnung (nach jahrhundertlanger Verfolgung) auf dieselbe Stufe wie die Holocaust-Leugnung für unsere jüdischen Mitmenschen. Sie entspringt demselben rassistischen, rechtsextremen oder religiös fundamentalistischen Denken, welches zutiefst menschenverachtend ist.

 


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Schwulengeschichte

Überblick zur Schwulen­geschichte in der Schweiz, recherchiert und zusam­men­gefasst von Ernst Ostertag

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