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Gilgamesch und Enkidu

Das TheaterBruchStück von Andreas Stadler

Ein eratischer Block steht auf der Bühne. Sinnbild für das Unbekannte, Geheimnisvolle und  die Stadt. Ein Mann schreitet auf die Bühne, gefolgt von einer Frau, beide gekleidet im britischen Styl der 20er Jahre. Ein Mann folgt ihnen, mit Kisten bepackt. Es ist ein Archäologenpaar mit seinem arabischen Bediensteten.

Sie eilen im Kreise gehend um den Block und mit ihren Worten setzt langsam die Handlung ein. Sie sind auf der Suche nach einem Schatz, dem archäologischen Beweis für die historische Existenz von Gilgamesch, den sagenumwobenen Herrscher von Uruk. Ins emsige Eilen wird ein Klischee gewoben: das Archäologenpaar, George und Gertrud, für das Buddeln in der Erde wenig zweckdienlich gekleidet, landadlig anmutend, typisch britisch - etwas neben der realen Wirklichkeit stehend - aber mit klaren Vorstellungen von der Welt, wie sie zu sein hat. Erst als der Bedienteste nicht mehr will und sich weigert weiter zu gehen und bekundet, dass sie sich doch im Kreise drehen, ist der Gentleman bereit über die Lage nachzudenken. Er setzt sich auf den einzigen verfügbaren Stuhl, die Lady, offenbar seine Assistentin, hat sich mit der Materialkiste als Sitzgelegenheit zu bescheiden, Der arabische Bedienstete Fatu benützt die Gelegenheit der Dame zu charmieren. Als ungebildet, kindische Figur versucht er sich in die Handlung einzubringen.

Die Regie verwendet diese Rahmenhandlung wie vom Musical her bekannt, als Stilmittel für den Brückenschlag zwischen der historischen Entdeckung der Textvorlage 1923 und dem antiken Geschehen. Dieser Rahmen wird in Englisch gesprochen und gesungen, um auf weitere Weise den zeitlichen Abstand zum Urtext zu verdeutlichen.

Jetzt realisieren sie, dass sie vor dem Tor zur Verheissung stehen. Fatu muss durch das Tor ins dunkle Loch und findet nichts ausser einer Tontafel. George, der Archäologe braucht eine Weile um zu realisieren, dass sie den Mythos von Gilgamesch gefunden haben. Sich in Fieber hineinversteigernd versucht er die Dechiffrierung, welche ins Deutsche erfolgt, die Assistentin schreibt eifrig mit. Im deliriösem Übermut lässt er die Tafel fallen und sie wird zu einem Bruchstück. Beim Versuch diese wieder zusammenzusetzen und den Mythos zu rekonstruieren wird George zu Gilgamesch, Gertrud zur Erzählerin, Mutter, Hure, Göttin, das Weib in seiner Gesamtheit, Fatu mutiert zu Enkidu.  Die Verwandlung ist fliessend, sie wird immer mehr epischer.

George zitiert aus den Bruchstücken: «Alle Sterne des Firmaments waren hoch über mir als einer wie ein Felsbrocken aus den Himmeln herab zu mir fiel.» In Fatu sieht er diesem Brocken, welcher selbst seine animalischen und wilden Züge entdeckt. Der Wilde, die Bestie erliegt den Reizen der göttlichen Weibes gewordenen Gertrud und verzieht sich mit ihr hinter das Tor der Verheissung.Mit der mythischen Kopulation wird er zu Enkidu. Doch auch der gottähnliche Gilgamesch verlustiert sich voyeuristisch durch die Zedernbretter spähend, auch er wird menschlich. Die Nachschaffung des Namens Enki-Du versinnbildlicht die Menschwerdung weiter.

Gilgamesch und Enkidu haben die gleiche Gestalt angenommen. Sie begegnen sich und Ringen um die Vorherrschaft. Im körpernahen Kampf, der keiner gewinnen kann, ermatten die beiden und finden in einem Kuss zueinander. Sie werden zu Brüdern, zu Geliebten: «Wie eine Frau liebte ich ihn, hielt ihn im Arm und streichelte ihn.»

Gilgamesch will in den Zedernwald der Götter um Holz zu fällen. Dieser wird bewacht von mysteriösen und schrecklichen Chumbaba. Gilgameschs Mutter steht dem Wunsch ihres Sohnes als Gefährte Enkidu mitzunehmen, verachtend gegenüber. Sie streiten sich heftig, erst in Todesahnung willigt sie ein, den Mann an der Seite des Sohnes als Stütze gegen das Böse anzuerkennen.

Auf dem Weg im dunkeln Wald, leiteten Träume die beiden. Mit der mit viel Eifersucht ausgetragenen gegenseitigen Rezeption können sie mit List Chumbaba ausschalten und finden den Baum der Erkenntnis und fällen ihn. Die Götter schicken zur Rache den wütenden Himmelsstier, doch Enkidu erkennt die Gefahr und leitet Gilgamesch an, wie er ihn töten kann. - Die gefällte Zeder bringen sie in die Stadt und mit gemeinsamer, auf ein Ziel fokusierter Mannes- und Bruderkraft, können sie diese aufrichten.

Enkidu wurde Mensch, die Götter beschliessen darum, er muss sterben. Gilgamesch, der Gottähnliche kann es nicht akzeptieren, er lamentiert und fleht die Götter an. Doch alles ist zwecklos, Enkidu entgleitet langsam dem Leben und aus seinen Armen. Enkidu erwacht zum Fatu und fragt: «Habe ich verschlafen?»

- Pause -

Nach der Pause Dunkelheit, nur die Stimme Gilgameschs, welcher in zwölf Abschnitten den Weg ins Jenseits sucht. Im Vorhof des Jenseits ist der Garten der Götter. Der Fährmann und Siduri Sabitu, die Hüterin des Gartens, lässig hinter einem Tresen stehend, warten schon auf ihn. Sie laden ihn ein, vom Trank der Weisheit zu kosten. Gilgamesch will wissen, wie er und sein geliebter Enkidu die Unsterblichkeit wieder erlangen können. Die Göttin Utnapischtim erscheint, sie lässt sich in ein Gespräch ein und trinkt fleissig mit vom Trank der Weisheit. Sie sei unsterblich geworden, sie habe eine Arche gebaut und von jedem Tier einem Paar darin Schutz geboten. Sie gibt Gilgamesch den Rat, er solle zurück gehen zu den Lebenden und um seine Stadt eine Mauer bauen, dies sei sein Weg zu Ewigkeit. Damit ist das Epos zu Ende, die Verbindung der Menschen zur Unsterblichkeit reist mit dem Fallen des Vorhangs endgültig.

Die Darsteller und ihre Rollen
Roberto Guerra (Fatu / Enkidu / Fährmann)
Patrick von Blume (George / Gilgamesch)
Rula Badeen (alle Frauenrollen)
Georgette Dee (Utnapischtim)

Laudatio für Andreas Stadler

Interview mit Andreas Stadler

 

Kulturpreis 2004

Bericht von der Preisverleihung >>


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Kulturpreis 2006

2006 wurde der Network-Kulturpreis in der Sparte bildende Kunst verliehen. Preisträger war Yan Duyvendak, Video- und Performancekünstler. Zudem wurde der Fotograph Walter Pfeiffer mit einem Ehren­preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.