Club Dinner mit Alfred Biolek
«Ich hatte in meiner Jugend, eigentlich bis 1968 selbst davor Angst, mir das einzugestehen.»
Am 25. Oktober 2004 war bei NETWORK ein Mann zu Gast, der Fernsehgeschichte gemacht hat. Kurt Aeschbacher führte mit dem Showmaster-Kollegen Alfred Biolek ein Gespräch. Alfred Biolek ist 1934 geboren. Er begeisterte die Zuhörer, kam doch sein ganzes Unterhaltungstalent zum Tragen. Lacher des Publikums und spontaner Applaus begleiteten all seine Ausführungen. Hier seine Antworten zu seinem unfreiwilligen Coming-out, dem berühmten Outing von Rosa von Praunheim.
Alfred, du warst eine lange Zeit im Rampenlicht, irgendwie hat man den privaten Alfred Biolek nicht gespürt. War das eine Taktik, einen Rest Individualität zu behalten, oder war es eine Angst vor dem Outing als Schwuler?
Also, ich hatte in meiner Jugend, eigentlich bis 1968 selbst davor Angst, mir das einzugestehen.
Damals gabs noch einen Strafrechtsartikel 175.
Und den blöden Witz, was passiert, wenn ein 400er Mercedes von hinten in einen 225er fährt - ein Vergehen gegen den 175er! Ich werde nie vergessen, neben dem Haus meiner Eltern war ein Möbelgeschäft, da war ein sehr sympathischer, gutaussehender Verkäufer und er ist mir aufgefallen. Ich habe aber nicht gedacht, der ist schwul, so weit war ich damals noch nicht. Der deutsche § 175 >>
1979 gab es einen grossen Wandel, ich bin nach München gezogen, habe mir die Haare wachsen lassen, es war die Zeit als man mit Lederjacke in all die Lokale ging. Seit damals habe ich immer offen gelebt, bei Bekannten zu denen ich eingeladen war, habe ich einen Freund mitgenommen. In Interviews habe ich nie gesagt, ich suche eine Freundin oder so. Wer es wissen wollte, wusste es. Ich hab aber nicht darüber gesprochen.
Hast du nicht darüber gesprochen aus Angst?
Nein, das kann man so nicht sagen. Es war eine ganz andere Zeit. Ich habe es trotzdem nie verheimlicht. Aber offen darüber zu sprechen, das war irgendwie nicht opportun.
Hattest du Angst um deine Karriere?
Ich kann das im Nachhinein nicht mehr sagen. Ich glaube nicht. Es war eher eine Angst das Privatleben zu verlieren. Wenn du auf dem Bildschirm bist, gibst du sowieso viel von dir. Ob du müde bist, ob du traurig bist, ob du strahlst oder ob du einen Pickel hast, das Publikum weiss vieles von dir. Doch auch nach dem grossen Outing durch Rosa von Praunheim hatte ich und habe ich immer noch ein Bedürfnis für das Private.
Zum Outing wollte ich dich gleich fragen!
Ja, da war ja kaum jemand überrascht! Ich wurde immer wieder dazu befragt, ich sage immer jawohl, das ist so, aber ich möchte nicht darüber sprechen. In einem Fokus-Interview ein paar Monate später sagte ich, es hat mir jemand in den Rücken geschlagen, aber genau an dieser Stelle war eine Verspannung und die ist seither weg. Meiner Karriere hat das Outing überhaupt nicht geschadet. Ich war der Vorzeige-Schwule lange vor Klaus Wowereit.
Fühlst du dich im Privatleben beobachtet?
Wenn ich alleine irgendwo hingehe ist es kein Problem. Aber wenn ich mit meinem Partner zu zweit in der Öffentlichkeit bin, müssen wir schon sehr aufpassen. Ich fühle mich allerdings nicht besonders bedrängt. Ich habe mein Privatleben nie, wie dies viele Promis für ihre Karriere tun, der Presse völlig geöffnet. Viele sind selbst schuld, dass die Medien sie bedrängen.
Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, von mir einiges zu erfahren - ich habe aber auch ein Recht darauf, ein Privatleben zu führen.
Das ganze Gespräch am 6. Club-Dinner
