«Mitarbeitende und Kunden müssen als Mensch akzeptiert sein»
NETWORK sprach mit Roger Kunz, Diversity Leader IBM Schweiz
Was sind die Ziele und Wirkungen der Diversity-Policy für Schwule und Lesben bei IBM?
Diversity Policy ist mittlerweile ein moderner Begriff in der Arbeitswelt. Es ist aber auch ein Erfordernis in der globalisierten Wirtschaft, ohne das weltweit tätige Konzerne nicht funktionieren könnten. IBM ist schon lange ein globalisiertes Unternehmen. Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund arbeiten zusammen. Diversity-Policy ist ein Muss für diesen Konzern. Bei der Einstellung von Mitarbeitenden wird darauf geachtet, dass ein breites Spektrum von Menschen erreicht wird. Längerfristig profitiert damit das Unternehmen von den unterschiedlichen Kulturen und Talenten.
Doch was macht IBM konkret für die Integration von Schwulen und Lesben?
Interne Aspekte: Es gibt zwei Aspekte, einen internen und einen externen. In der Schweiz arbeiten knapp 3500 Personen für IBM, es sind Leute aus über 60 verschiedenen Nationen, Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Darunter befinden sich natürlich auch Schwule und Lesben. Für ein modernes, weltoffenes Unternehmen wie IBM ist es wichtig, dass sich alle Mitarbeitenden am Arbeitsplatz wohl fühlen und als Menschen akzeptiert sind. Das fördert die Motivation und die Arbeitsleistung jedes einzelnen. Zur Firmenkultur gehört, dass Schwule und Lesben akzeptiert sind. So ist es selbstverständlich, dass zu Firmenanlässen die Partner eingeladen werden. Niemand muss etwas vorspielen, Ausreden erfinden oder Alibipersonen mitnehmen. Inwieweit sich die Mitarbeitenden outen (wollen) ist hingegen ihre freie Entscheidung. Das Unternehmen kann nur die nötige offene Kultur und Freiräume dafür schaffen. Darum haben gleichgeschlechtliche Partner grundsätzlich die gleichen Rechte wie Ehepartner, sei das bei der Pensionskasse oder bei den anderen Anstellungsbedingungen.
Externe Aspekte: Für ein global integriertes Unternehmen ist eine Diversity-Policy eine Selbstverständlichkeit. IBM ist angewiesen auf die talentiertesten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nebst den internen Möglichkeiten hat IBM natürlich immer auch den Markt im Auge. So finden sich bei Kunden und Geschäftspartnern ebenfalls Lesben und Schwule. Das können Personen auf allen Hierarchiestufen sein, darunter auch Entscheidungsträger. Studien zeigen, dass diese durchaus darauf schauen, wie eine Firma sich zur GLBT-Community stellt.
Die Evaluation von Produkten und Dienstleistungen hat neben den technischen und preislichen Aspekten immer auch eine emotionale Komponente. Kunden fühlen sich wohler, wenn sie wissen, dass sie nicht nur als Kunde sondern auch als Mensch akzeptiert werden - «People buy from people they like» …
Firmeninterne lesbischschwule Gruppe
Es gibt bei IBM eine weltweite Gruppe die sich «Eagle» (Employment Alliance of Gay and Lesbian Employees) nennt und die aktiv als Mitarbeitergruppe lobbyiert. Insgesamt sind das rund 1000 Lesben und Schwule, was weniger als 0,3 % aller Angestellten entspricht. Auch in der Schweiz gibt es einen aktiven Ableger dieser Gruppe, bei der auch Mitarbeiter aus der Management-Ebene vertreten sind. Die Gruppe trifft sich regelmässig, war auch Gastgeber des ersten Pan-European Gay & Lesbian Business Leader Forum im Herbst 2007. Die Gruppe pflegt enge Beziehungen zur Gay-Community, was mit ein Grund ist für unser Sponsoring von NETWORK. Denn NETWORKer sind interessant als Entscheidungsträger für IT-Produkte, aber auch als potentielle Mitarbeiter.
