Absolut Züri – serielle Theatergeschichte(n)
Der NETWORK-Kulturpreisträger Andreas Stadler hat eine aussergewöhnliche Theaterserie realisiert
Am Apéro Plus vom 10. September 2008 in Zürich waren der NETWORK Kulturpreisträger 2004, Schauspieler und Regisseur Andreas Stadler, sowie der Autor Simon Froehling zu Gast bei NETWORK. Die beiden haben zusammen mit anderen «Absolut Züri» realisiert. Das war eine Theaterserie von 8 x 5 Aufführungen über Figuren aus der goldenen Zeit der Zürcher Techno-Party-Generation.
Die Idee zur Theaterserie entstand vor drei Jahren. Man wollte kein elitäres Theater machen, das nur für theaterbegeisterte Insider interessant ist und normale Besucher oft langweilt. Man wollte etwas machen, das unterhält, doch auch etwas das nicht einfältig ist. Andreas ist ein grosser Fan von Fernsehserien. Für ihn waren «Six Feet Under» oder «The Sopranos» Serien, die nicht langweilten, die anders sind als das Übliche und ein grosses Fanpublikum fanden. Das war das Vorbild.
Die Handlung drehte sich um Figuren aus der Party-Generation, die ja in Zürich ein recht schwules Element besitzt. In der ersten Folge treffen sich Freunde nach Jahren im einst angesagtesten Zürcher Technoclub wieder. Sie sind eingeladen zur Hochzeit eines ehemaligen Party-Girls. Das soll nun die Party aller Partys werden, die Verschmelzung aus wilder Vergangenheit und bürgerlicher Zukunft, man trinkt als ultimativen Kick die mit Extasy versetzte «E-Bowle». Alle sind aber auch da mit ihrer Vergangenheit, ihren Träumen und Problemen, mit ihrer Lebenskrise der End-Dreissiger. Ein interessanter und spannender Einstieg in eine Serie, die Lust auf mehr macht …
Bei der Erarbeitung des Stoffes ging man gleich vor, wie bei den Fernsehserien, verschiedenste Autoren haben nach einer Personenbeschreibung die Figuren mit Leben gefüllt, ein Beziehungsnetz der Figuren untereinander gewoben und den einzelnen Folgen ihr Gepräge gegeben. Bewusst wollte man das schwule Element hineinbringen. Andreas meinte dazu, Berlin sei voll von Autoren, die Fernsehserien schreiben und die seien fast alle schwul. Das Thema sei den Machern auf den Leib geschrieben gewesen. Zuerst habe er das Projekt in Berlin realisieren wollen, doch dann sei daraus «Absolut Züri» entstanden.
In Zürich ist das sehr gut angekommen, die kühnsten Erwartungen wurden übertroffen, alle Vorstellungen waren praktisch ausverkauft. Obwohl die Theaterkritkerin vom Tages-Anzeiger in ihrer Besprechung der Uraufführung meinte: «Alles geht sofort in einer nichtssagenden Suppe unter.» Die hatte eine ästhetische Aufmöbelung von Trivialkultur erwartet, in Form des trashig-intellektuellen Off-Theaters. Doch das war nicht die Absicht der Macher, die wollten der Techo-Generation einen Spiegel vorsetzen. Ein treues Publikum nahm die Serie begeistert an und hatte Freude an der selbstironischen, kritischen und komisch-grotesken Spiegelung vergangener Zeiten, die Theaterserie wurde zum Kult. Man hat damit in Zürich mit einer neuen Form Theatergeschichte geschrieben.
Die NETWORKer, welche die Serie gesehen hatten, sind sich einig, lebensechte Dialoge und Situationen, sowie ausserordentlich gute schauspielerische Leistungen haben zum grossen Erfolg beigetragen. Besonders überzeugt habe die Figur von Beat, gespielt von NETWORK Kulturpreisträger Andreas Stadler.
