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EuroPride – eine Parade wirbt für Akzeptanz und Toleranz

Mehrheitlich ein positives Echo
und wohlwollende Berichte in der Presse

 

Vor 40 Jahren, in der Zeit der grossen Demonstrationen in den USA von Vietnam-Kriegsgegnern und der Black-Power-Bewegung mit tagtäglichen Strassenschlachten der Demonstranten mit der Polizei, in dieser aufgeheizten Lage ereignete sich der Stonewall-Zwischenfall. Darauf begannen Schwule und Lesben ebenfalls zu demonstrieren. Eine Woche lang trat man heraus auf die Strasse und forderte gleiche Rechte, bis die New Yorker Stadtregierung Gesprächsbereitschaft zeigte.

Jetzt wusste man, man braucht Sichtbarkeit, man braucht viele und man muss von den Medien wahrgenommen werden. Ein Jahr danach gab es den ersten CSD im Gedenken an Stonewall. Die Erkenntnis der Gay-Community – zusammen sichtbar sein – bedeutet etwas erreichen zu können, hat sich erfolgreich um den Globus verbreitet.

 

Erfolgreiche EuroPride

Die Gay-Flags wehten fünf Wochen in der Zürcher Innenstadt. An der Parade waren Zehntausende, mehr als zu zählen waren, die Schätzungen liegen zwischen 50 000 und 100 000 Teilnehmern. Und die Medien berichteten.

Über die Parade und das Stadtfest waren sich die Presseleute ziemlich einig: Friedlich, farbenfroh und bunt. Der Basler Zeitung wars eine kurze Meldung mit Bild wert «Schrill und bunt» der Titel und im Text dann «[…] Stadtpräsidentin Corine Mauch wandte sich am Samstag unter ohrenbetäubendem Jubel und Applaus an die Menge. […]» Von der Redaktion war offenbar niemand in Zürich, der Bericht ist eine klicheehafte Aufpeppung einer Agenturmeldung.

Die meisten Zeitungen berichteten seriöser und ausführlicher, so die Südostschweiz, der Tages-Anzeiger und die Neue Zürcher Zeitung.

Über die fünf Wochen EuroPride ist es besonders der Neuen Zürcher Zeitung immer wieder gelungen, interessante Beiträge zu schwul-lesbischen Themen zu bringen. Darunter ein Interview mit dem Co-Präsidium der EuroPride, Jürg Koller und Karin Grundböck, ein Bericht über den schwulen Ausgang, ein Porträt von Lotti, der langjährigen ehemaligen Bardame des Barfüssers, ein Porträt des Vereins Pink Cops und eine Vorstellung der Website www.schwulengeschichte.ch. In der NZZ am Sonntag fragte man im Bund Stil «Sieht so ein Schwuler aus?» und besprach die neuesten Mode-Trends. Ein anderer Beitrag war «Gays auf der Chefetage» mit Porträts der Networker Thomas Peter und Bernhard Pulver.

Die Sonntags-Zeitung platzierte einen Artikel «Lesbisch, schwul, erfolgreich. Business-Clubs für Homosexuelle sind wenig bekannt, aber einflussreich». Network und mehrere Mitglieder kommen darin zu Wort.

 

Die EDU und der Zürcher Kantonsrat

«Eklat wegen Schwulenhetze im Kantonsrat» titelte der Tages-Anzeiger. Gemeint war die Fraktionserklärung der EDU zur Euro-Pride, vorgelesen von Michael Welz. Darin wird der Regierung vorgeworfen, sie unterstütze mit der EuroPride eine gottlose Werbeplattform für Schwule. Homosexualität sei «weder gottgewollt noch gesellschaftsfördernd». Welz beendete seine Erklärung mit «Gott schenkt Befreiung aus der Homosexualität». Im Namen aller anderen Parteien wies der Networker Hans-Peter Portmann, FDP, Welz’ Ausführungen zurück. Alle Berichte über den Vorfall waren sich einig, in diesem Fall hat die EDU den Pfad des Anstandes verlassen. Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung, im Landbote, im Limmattaler, in der Landzeitung.

In den Leserbriefen allerdings, da wimmelte es von halben Bibelzitaten und den Schlussfolgerungen, Welz’ Aussage sei die einzig richtige, ja sogar eine mutige. Ein bemerkenswerter Leserbrief druckte der Tages-Anzeiger.

Witzig der Kommentar im Migrosmagazin: «Und plötzlich waren alle gay. EDU Kantonsrat Michael Welz sah im Zürcher Kantonsrat schwarz. Die EuroPride sei Propaganda zur Beeinflussung unserer Jugend und Gesellschaft, klagte er. Offenbar traut der Bauer aus Oberembrach der Veranstaltung eine ungemein verführerische Kraft zu. Wer einen Umzug von Gays sieht wird nach dieser Logik gleich selbst schwul oder lesbisch. Da ist es wohl lohnender, den Zünftern beim Sechseläuten zuzusehen. Denn dabei könnte man ja urplötzlich reich werden.»

Tacheles, die jüdische Wochenzeitschrift: «GOTTLOS. Diesen Samstag beginnt in Zürich die EuroPride […] Nicht allen ist ob diesem bunten Treiben zum Feiern zumute. EDU Kantonsrat Michael Welz war es offensichtlich bitterernst, als er in einer Fraktionserklärung gegen den Anlass wetterte. Homosexualität sei nicht gottgewollt und ‹mit vielen gesundheitlichen Risiken behaftet› […]. Die Euro-Pride sei ein Propagandafeldzug ‹zur Beeinflussung unserer Jugend und Gesellschaft›, die Stadt Zürich wende sich damit ‹vom Segen Gottes ab›. Die übrigen Parteien reagierten auf dieses haarsträubende Statement in seltener Einigkeit. […]»

Das Bülacher Tagblatt, die Zeitung aus der engeren Heimat von Michael Welz brachte Stellungsnahmen von Politikern und Persönlichkeiten aus der Region zur Erklärung der EDU und ein Interview mit Welz.

Der Landbote berichtete ausführlich über die Strafanzeige des Präsidiums der EuroPride wegen Welz Aussagen und die Motion von Daniel Jositsch, die Diskrimination wegen der sexuellen Orientierung unter Strafe zu stellen. Ebenso der Tages-Anzeiger. Darüber berichtete auch die Pendlerzeitung News.

Der reformierte Kirchenbote setzte sich ebenfalls mit den evangelikalen Vorbehalten gegenüber den Homosexuellen auseinander. «Das Evangelium ist für alle da. Ist Homosexualität widergöttlich? Seit in Zürich die EuroPride begonnen hat entfachen christliche Gruppierungen erneut die Frage um deren Akzeptanz», so der Titel und die Einleitung zum lesenswerten Artikel.

 

Schwule Lebenswelten

Manche Regionalzeitung nahm die Euro-Pride zum Anlass für ein Porträt von Schwulen oder Lesben in ihrer Region. Beispielsweise die Oberseenachrichten über Michael von der Heide; die Aargauer Zeitung machte eine Interview mit Raymond Fuchs, Vizepräsidant von Aargay und das Coming-out auf dem Lande. Ein ähnlicher Artikel brachte die Zürichsee-Zeitung, Lebenshilfe gabs im Blick mit «Homosexuell – so sag ichs's meinen Eltern». Der Beobachter berichtete über das ehemalige «Doppeleben» von Röbi und Ernst; der Landbote porträtierte dieselben als «Zürichs berühmtestes Schwulenpärchen»; der Tages-Anzeiger brachte einen Artikel über die frühen Jahre von Franz Freuler und Jürg Zaugg; das Kinki-Magazine, ein «Szenenblatt», über das Coming-out des SVP Politikers Thomas Fuchs; die Reformierte Presse über einen schwulen Pfarrer unter der Überschrift «Verteufeln Christen Homosexualität, ist das tragisch für das Christentum».

Context, das Mitteilungsblatt der schweizerischen KV-Verbandes fand Raum für einen ausführlichen Bericht über die LGBT Diversity-Policy.

Auf dieser Welt leben jedoch Schwule auch in ganz anderen Situationen. Ein Bericht eines Flüchtlings aus dem Iran im Tages-Anzeiger zeigte diese erschreckenden Lebensumstände.

 

Negativ aufgefallen

Die Schweizerzeit, das Meinungsbildungsorgan der SVP aus der Küche von Ulrich Schlür, brachte einen wirren Artikel über die Gender-Politik. «Mit ‹Gender Mainstreaming› sollen alle familiären Strukturen aufgelöst und die christliche Idee soll vernichtet werden.» So die Einleitung zum Artikel, in dem über manches hergezogen wird. Besonders über «[…] den alternativen sexuellen Lebensstil. […] Es ist eine dreiste Attacke gegen die traditionellen Werte der Familie. […] Ziel der ‹Gender›-Ideologen ist eine klassenlose Gesellschaft, die sich vor allem von der grundlegendsten Klasse befreien will: von der Klasse des Geschlechts. […]»

Auf diese Vorarbeit folgte der bösartige Artikel in der Weltwoche.

 

Zusammengestellt von Thomas Voelkin aus der grossen Auswahl des Pressedienstes der
PMS/ZMA Medienbeobachtung im Auftrag von Pink Cross