Hans-Peter Portmann, FDP, Zürich
| Kandidiert für den | Nationalrat | ![]() |
| Partei, Liste | FDP, Liste 3 | |
| Geburtsdatum | 22. Februar 1963 | |
| Zivilstand | eingetragene Partnerschaft | |
| Aufgewachsen | in Zürich | |
| Bildungsweg | Banklehre, International Executive MBA | |
| Heutige Tätigkeit | Regionalleitungsmitglied Privatbank | |
| Mitgliedschaften | diverse sozial-gesellschaftliche Tätigkeiten | |
| Internet | www.hanspeter-portmann.ch | |
Hans-Peter, Du kandidierst für den Nationalrat. Warum?
Ich bin ein politischer Mensch, der die Zukunft unseres Landes mitgestalten will. Viele meiner Anliegen konnte ich als Kantonsrat bereits in Zürich umsetzen. Gerne würde ich mein Engagement vermehrt noch auf nationaler Ebene zum Erfolg bringen.
Seit 5 Jahren gibt es in der Schweiz das Partnerschaftsgesetz. Wie schwerwiegend sind die verbleibenden Diskriminierungen?
Es gibt noch einige Benachteiligungen im Vergleich zur heterosexuellen Ehe. So zum Beispiel sind wir von der Wittwerrente bei der AHV ausgeschlossen oder die grenzüberschreitende Akzeptanz von gesetzlichen Partnerschaften ist noch nicht überall vollzogen. Wir haben also Schritt um Schritt noch Detailarbeit zu leisten.
Gibt es Handlungsbedarf von Seiten des Staates für die volle Akzeptanz der schwulen Lebensform?
Kein Staat auf der Welt kann per Gesetz seinen Bürgern die gegenseitige Akzeptanz vorschreiben. Dies ist hauptsächlich eine Aufgabe der Gesellschaft. Und da gibt es ständig gegenüber allen Minderheiten Handlungsbedarf. Wir müssen jeden Tag von neuem an unserem Toleranzverhalten arbeiten. Das ist aber auch eine Aufgabe für uns Schwule und Lesben gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen.
Was hältst Du davon, dass die Dachorganisationen der LGBT-Gemeinschaft im selbst deklarierten Jahr der Antidiskriminierung die Revision von 15 bestehenden Gesetzen fordert?
Es braucht Kräfte, die jegliche Art von Diskriminierung als gesellschaftliche Fehlentwicklung brandmarkt. In diesem Sinne ist auch die ständig kritische Betrachtung unserer Gesetzgebung unerlässlich. Ich schätze diese notwendigen Diskussionen sehr und bin überzeugt, dass die LGBT hier einen wertvollen Beitrag leistet.
In die Schweiz wandern auch Personengruppen ein, welche aufgrund ihrer Kultur homophobe Haltungen mitbringen. Brauchen wir spezielle Massnahmen (Gesetze, Richtlinien), welche radikale Vertreter dieser Gruppierungen auf unsere Werte verpflichten?
Wer was in seinen eigenen vier Wänden denkt, ist Privatsache. Wer aber in unserem Land Gastfreundschaft geniesst, der muss sich an unsere Regeln halten und bereit sein, im öffentlichen Leben unsere Kultur mit zu tragen. Somit hat er also auch zu akzeptieren, dass bei uns gleichgeschlechtliche Beziehungen gleichwertig zu jeder anderen Beziehungsform sind. Das sollen Einwanderer in ihren Integrationsverpflichtungen anerkennen müssen, genauso, wie sie unsere Gesetze und anderen gesellschaftlichen Eigenheiten zu befolgen haben.
Wie weit sollte die Ahndung von diskriminierenden Äusserungen gegenüber Homosexuellen in der Schweiz gehen?
Die Frage ist, wo beginnt eine diskriminierende Äusserung und was muss man einfach als blöden Spruch oder als belustigenden Witz abtun. Sind wir den auch bereit, wenn wir einmal uns in der Wortwahl gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen vergreifen, rechtliche Konsequenzen dafür zu tragen? Ich meine, wem aufgrund seiner Lebensform Schaden zugefügt wird, der sollte sich gesetzlich wehren können. Dazu braucht es ein Antidiskriminierungsgesetz, welches die heutige Rassismus-Gesetzgebung mit einbezieht. Um diskriminierenden Äusserungen entgegen treten zu können, müssen wir wieder vermehrt an den Umgangsformen in unserer Gesellschaft arbeiten. Dazu will ich keine staatlichen Eingriffe.
Wo siehst Du die Grenze deiner Kompromissfähigkeit auf dem Gebiet der privatgeschäftlichen und staatswirtschaftlichen Beziehungen gegenüber Organisationen oder Staaten, welche Homosexualität ablehnen oder gar unter Strafe stellen?
Persönlich will ich mit niemandem etwas zu tun haben, der die Grundsätze meines Verständnisses für eine menschliche Koexistenz missachtet. Der Staat muss aber hier schon etwas diffiziler unterscheiden. Wir leben nun einmal in einer globalisierten Welt und sind zur Erhaltung unseres Wohlstandes auf den internationalen Handel angewiesen. Würde die Schweiz nur mit jenen Ländern zusammen arbeiten, bei deren Gesetzgebungen die gleichen kulturellen Eigenheiten zugrunde liegen wie bei uns, dann wären wir wirtschaftlich wohl schnell einmal isoliert. Was aber eine Daueraufgabe für unsere Regierung ist, sind das Aufdecken und das Verurteilen von Menschenrechtsverletzungen.
Gibt es sozialpolitische Fragen des Schwulseins? Wie stehen wir im Alter da, bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit?
Diese gibt es ganz bestimmt. Nimmt man nur einmal die Tatsache, dass viele von uns keine Nachkommen haben und somit wohl auch im Alter die Frage der familiären Unterstützung oftmals dahin fällt. Hier liegt es aber an uns selbst, im Leben ein eigenes soziales Umfeld auf zu bauen, welches sehr wohl gleichwertig wie eine Familie sein kann.
Wie ist deine Haltung zum Adoptionsverbot von homosexuellen Paaren?
Die heutige Gesetzgebung weist in verschiedensten Teilen Defizite auf und entspricht nicht mehr den Anliegen eines zeitgemässen Adoptionsverfahrens. Man sollte das gesamte Adoptionsgesetz revidieren. Für mich ist klar, dass darin die geschlechtliche oder auch institutionelle Zusammensetzung der Erziehungsgemeinschaft keine Rolle mehr spielen darf.
Ausserhalb der Schwulenpolitik, was sind deine wichtigsten politischen Anliegen für die nächste Legislaturperiode?
Eine grosse Herausforderung für unser Land wird in den kommenden Jahren der Erhalt unseres Wohlstandes sein – sprich, das damit verbundene hohe Niveau im Bildungswesen, im Gesundheitswesen, im Sozialwesen und in der Sicherheit. Diesen Wohlstand können wir nur halten, wenn auch weiterhin genügend konkurrenzfähige Arbeitsplätze im globalen Wettbewerb in unserem Lande zur Verfügung stehen. Dazu braucht es vor allem gegenüber ausländischen Druckversuchen, welche letztendlich nur eine Umverteilung der Staatsschulden auf die gesunden Wirtschaftsländer zum Ziele haben, eine standhafte und glaubwürdige Politik.
