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Gay SVP

«Wir wollen Widerstände in der SVP aufbrechen»

Interview mit Beat Feurer, Präsident der GaySVP

 

Beat Feurer, Jahrgang 1960, ist in Biel aufgewachsen, wo er auch heute noch lebt. Er hat eine eigene Firma «Beat Feurer Steuerexperten» mit Büros in Biel und Bern. Beat lebt in eingetragener Partnerschaft. Öffentlich bekannt wurde er, als die Religionsgemeinschaft, welcher er während Jahren angehörte, ihn wegen seinem Schwulsein ausschloss. Beat ist seit rund sechs Jahren Mitglied bei der SVP Biel. Letzten Herbst kandidierte er für das Bieler Stadtpräsidium. Beat ist auch Präsident und Gründungsmitglied des Vereins GSVP (Gay SVP), welcher im Mai 2010 gegründet wurde. Thomas Voelkin führte mit ihm ein Gespräch.

 

Was interessiert dich hauptsächlich an der Politik?

Die Möglichkeit, gestaltenden Einfluss zu nehmen auf die Gesellschaft und deren Funktionsweise.

 

Warum bist du Mitglied bei der SVP?

Ich hatte schon als Jugendlicher ein freiheitliches Weltbild und Gedankengut. Heute ist die SVP praktisch die einzige Partei, die freiheitlich denkt: Vor allem im Bereich der Wirtschaft vertritt sie liberale Positionen.

 

Kommst du aus einem politischen Umfeld?

Ja, mein Vater war aktives Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SP).

 

Was denkt der zu deiner Mitgliedschaft bei 
der SVP?

Mein Vater ist schon vor 16 Jahren gestorben, er hat meinen Parteieintritt nicht erlebt. Aber ich glaube, er hätte das akzeptiert.

 

Warum braucht es eine Gay-Gruppe in der SVP?

Wir hatten eher eine lose Gruppierung von Schwulen in der Partei mit einer eigenen Internetseite. Die Reaktionen auf diese, nur schon dass wir eine hatten, war vor allem unter den SVP-Mitgliedern recht gross. Darunter gab es zustimmende aber auch vehement ablehnende Kommentare. Dies zeigte uns, wie wichtig es ist, dass eine offizielle Gruppierung die Anliegen von Schwulen und Lesben in der Partei vertritt, aber auch daran arbeitet, Widerstände aufzubrechen. Darum gründeten wir im letzten Mai den Verein GaySVP.

 

Interessieren schwulenpolitische Fragen die anderen Parteimitglieder?

Das wird so sein wie in allen anderen Parteien, schwule und lesbische Anliegen sind ein Thema, das nur eine Minderheit betrifft. Uns geht es nicht darum, grosses Interesse für diese Anliegen in der Partei zu erhalten, sondern um vorhandene Widerstände abzubauen.

 

Konntet ihr schon etwas aufbrechen?

Nein, das braucht schon etwas länger. Was wir planen ist ein Gespräch mit dem Parteipräsidenten, wo wir besprechen wollen, wie und wo wir uns in der Partei einbringen können. Aber wichtiger ist es, dass es uns gibt, dass die Parteimitglieder sehen, Lesben und Schwule sind ganz normale Leute, die es auch in ihrer Partei gibt. Schrill und grell, das ist ein Bild aus den Medien, aber nicht aus dem Alltag.

 

Die Junge SVP Unterwallis und ihre homophoben Aussagen, das steht euren Grundsätzen diametral gegenüber! Meinten die, damit 
könnten sie mehr Wähler gewinnen?

Das war im Frühling 2009, da gab es uns noch nicht. Ich glaube aber nicht, dass die Aktion der jungen SVP Unterwallis sehr durchdacht war oder gar das Ziel hatte mehr Wähler zu gewinnen. Auch wir hatten letzthin eine Auseinandersetzung mit der Jungen SVP Unterwallis. Deren Vertreter bezeichneten uns als Krebsgeschwür, welches man entfernen müsse. Das gab ein riesiges Echo in den Medien der Welschschweiz. Wochenlang wurde ich zu Radio- und Fernsehsendungen eingeladen, hatte Interviews zu geben für Zeitungen und Magazine. Die SVP Waadt hat uns händeringend geschrieben, wir sollten doch diesen Konflikt endlich begraben. Sie hätten Leute die aus der Partei ausgetreten seien, wegen den Verlautbarungen der Jungen SVP Unterwallis und solche weil es eine Gay-SVP gebe.

 

Wo besteht Handlungsbedarf in der Schweizer Schwulenpolitik?

Schwule und Lesben sollten nicht mehr und nicht weniger Recht haben als alle anderen auch. Vor allem auf der linken Seite setzt man sich ein für eine Förderung von Minderheiten – dafür sehe ich keinen Bedarf. Doch was noch zu tun ist, ist eine Gleichstellung in der Adoptionsfrage. Dazu kommt die Öffnung der Ehe, es gibt zwar die eingetragene Partnerschaft, aber das ist nicht das Gleiche wie heiraten. Dazu gibt es noch ein paar kleinere Fragen. Wenn wir das erreicht haben, haben Schwule und Lesben die gleichen Rechte. Um das geht es mir hier in der Schweiz.

Was mir aber auch ein Anliegen ist, ist die Situation von Schwulen und Lesben weltweit. Kürzlich hat Ban Ki Moon, Generalsekretär der UNO, dazu aufgerufen, die Bestrafung von Homosexualität abzuschaffen. Das kann man nur unterstützen. Meiner Ansicht sollte unsere Aussenpolitik eine Position entwickeln, die sagt, in Länder, welche Homosexuelle verfolgen, geben wir keine Entwicklungshilfe mehr.

 

Im Herbst sind Wahlen, warum soll ein Schwuler die SVP wählen?

Diese Frage ist falsch gestellt. Schwule sind so verschieden wie alle anderen Menschen auch. Als Schwuler bin ich nicht nur an der Schwulenpolitik interessiert, sondern auch an der Sozial-, Wirtschafts-, Bildungspolitik und weiteren Themen. Es gibt Schwule, die haben ein freiheitliches Weltbild, für solche ist meiner Ansicht nach die SVP die einzige Partei, welche diese Werte noch vertritt. Dies im Gegensatz zur Situation vor 20 Jahren, als die FDP noch eine recht starke Alternative gewesen war. Es ist falsch, nur aus der Sicht von schwulen Anliegen zu wählen.

 

Strebst du ein politisches Mandat an?

Im Herbst nicht für den Nationalrat. Aber sonst schon, ich kandidierte im letzten November bei der Ersatzwahl des Bieler Stadtpräsidenten. Dabei konnte ich einen veritablen Achtungserfolg verbuchen. In zwei Jahren werde ich mich voraussichtlich wieder zur Wahl stellen.

 

Welche allgemeinen Themenbereiche werden in deinen Augen die Schweizer Politik in der nächsten Zeit am meisten beschäftigen?

Wirtschafts- und Sozialpolitik: Wirtschaftspolitik weil das die Grundlage unserer Existenz bildet, Sozialpolitik weil die Brötchen verteilt sind, wir kommen an die Grenzen unserer Möglichkeiten. Die Sozialkosten nehmen jedes Jahr zu, es wird zu Verteilungskämpfen kommen, wir werden uns damit auseinandersetzen müssen.

 

Du hast mehrmals betont, die SVP stehe für eine liberale Politik. Meinst du damit die Wirtschaftspolitik oder die Gesellschaftspolitik?

Für das Wort liberal gibt es einen Definitionswirrwarr. Liberal bedeutet für mich freiheitlich. Libertär ist mehr oder weniger dasselbe. Aus dieser Sicht vertritt die SVP eine liberale Politik. An und für sich müsste diese Partei die erste sein, welche sagt, wir sind für einen freiheitlichen Staat wo alle, auch Schwule und Lesben, die gleichen Rechte haben.

Aber hier gibt es halt Widersprüche in der Partei, wie auch Widersprüche in der Landwirtschaftspolitik gibt, wo grosse Subventionen an die Bauern fliessen. Das entspricht keiner liberalen Politik, doch die SVP setzt sich dafür ein.

 

Hast du noch ein spezielles Anliegen?

Ja, die Gay SVP ist eine ganz junge Gruppierung. Die Initianten sind alle zwischen 16 und 22 Jahren alt. Sie haben mich angefragt ob ich sie unterstützen könnte. So bin ich nun der Grossvater der Gruppierung und dessen Präsident. Was uns aber fehlt ist die aktive Unterstützung von gesetzteren Mitstreitern.

 

Ist Thomas Fuchs auch Mitglied der Gay SVP?

Ja, aber er versucht bewusst, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Viele haben den Eindruck, wenn er dabei ist, geht es nach seinem Kommando. Er möchte vermeiden, dass es heisst die Gay SVP stehe unter seiner Fuchtel.

 

Du bist seit fünf Jahren Mitglied von Network. Was bedeutet dir unser Verein?

Für mich ist Network vor allem eine Verbindung von Freunden. Ich kam um schwule Geschäftsleute kennen zu lernen und ich wollte die Politik von Network unterstützen. Heute habe ich mehrere ganz gute Freunde aus dem Kreis der Networker und das schätze ich sehr.

 

Beat, vielen Dank für das Gespräch.

 

Website der GaySVP

 

 

 

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