Die kulturellen Interessen der NETWORKer
Den meisten NETWORKern ist die Auseinandersetzung mit der Kultur ein Anliegen. Mehrere NETWORKer sind in verantwortungsvollen Positionen von Kulturinstituten. Andere sind in Kulturkommissionen von Behörden und Stiftungen. Daher gelingt es oft, den NETWORKern ausserordentliche und einmalige Museums- und Ausstellungsbesuche zu ermöglichen.
Die NETWORK-Kulturkommission koordiniert die kulturellen Aktivitäten von NETWORK. Ein besonderes Anliegen ist die Förderung kultureller Aktivitäten, die sich mit dem Sein als schwuler Mensch auseinandersetzt und der Darstellung von Homoerotik in Malerei und Film. Um dieses Anliegen nach aussen wahrnehmbar zu machen, wurde der NETWORK-Kulturpreis geschaffen.
Schwule Kultur – was ist das?
Wohl das älteste literarische Zeugnis überhaupt sind die Fragmente in Keilschrift auf Tontafeln, die von der Liebe des summerischen Herrschers Gilgamesh zu seinem Freund Enkidu handeln. Dieser Mythos ist vor mehr als 4000 Jahren entstanden, ist älter als die ersten Bücher der Bibel, älter als die homerischen Epen Ilias und Odyssee.
Die europäische Antike hat uns unzählige literarische und bildnerische Darstellungen der Männerliebe hinterlassen. Vom frühen Mittelalter bis in die frühe Neuzeit ist Homoerotik und Männerliebe in der Literatur und der bildnerischen Darstellung sehr spärlich, oder so universell dargestellt, dass heutige Menschen kaum einen homoerotischen Kontext herstellen können. Wobei der Verdacht, dass es dies gegeben hat und viele homoerotische Kunstwerke unerforscht in den Magazinen vor sich hin gammeln oder zerstört wurden, weder belegbar noch widerlegbar ist.
In der europäischen Malerei und Fotografie gibt es erst wieder ab 1870 vermehrt Männerakte mit einem eindeutigen homoerotischen Bezug. In der Literatur gibt es einige, meist negativ gefärbte Hinweise. Erst mit Sigmund Freud erkunden Schriftsteller das Innenleben der Seele und schwule Autoren sublimieren homoerotische Gefühle nicht mehr mit schöngeistigen Diskursen über platonische Liebschaften, wie dies für das Zeitalter der Romantik prägend war.
Von ausserhalb Europas, speziell aus Persien und Japan, sind uns unzählige künstlerische Zeugnisse von Männerliebe überliefert, vor allem aus dem 12. bis frühen 18. Jahrhundert.
Schwule Kultur heute
Darunter versteht man eine künstlerische Auseinandersetzung mit der schwulen Identität.
Schwule Künstler, deren Werk eine allgemeine Thematik hat und deren Homosexualität bekannt ist, sind positive Vorbilder für die Gay-Community. Vielfach befassen sich diese Künstler auch mit dem Thema Homosexualität, doch dieser Aspekt ist meist nicht oder nur Insidern bekannt.
Schwule Darsteller und Schauspieler, welche Vorbilder und Idole der Gay-Community sind.
Kulturelle Events und Aufführungen wie Theater, Filmvorführungen, Konzerte, welche von Schwulen für Schwule gemacht werden.
Andere Kategorien
Schwule Ikonen, Künstler die nicht schwul sind, mit zweideutig interpretierbaren Anspielungen aber Riesenerfolge in der Gay-Community feiern. Vorallem in der Populärmusik der Discogeneration gibt es viele solche, meist weibliche Musikstars. Die Arrangements und Songtexte stammen mehrheitlich von Schwulen. Die einen Stars geniessen die Huldigungen der Gays, die anderen versuchen krampfhaft das schwule Image los zu werden.
Fernsehserien wie «Six Feet Under» oder «Desparate Housewifes», welche von Schwulen produziert und geschrieben werden. Sie sind für konservative, homophobe Kreise Anlass für Klagen über die «Verschwulung der Kultur»! – Die Demontage der familiären Patriarchen passt nicht in deren Weltbild.
Operndiven wie Maria Callas, welche von vielen Schwulen immer wieder gehört werden. Das zeugt von einem speziellen Zugang zu den einmaligen gesanglichen Interpretationen über die Liebe und Vergänglichkeit. Mit schwul im eigentlichen Sinne hat das aber nichts zu tun.
Heterosexuelle Schauspieler, welche überzeugend schwule Charaktere darstellen, sind gute Schauspieler, aber keine schwulen Künstler.
Männerakte, von Frauen gemalt, können das homoerotische Auge erfreuen, sind aber ebenfalls keine schwule Kunst.
Der Network-Kulturpreis
Der Preis wird alle zwei Jahre an einen schwulen Künstler in der Schweiz vergeben. Damit möchte man die Sichtbarkeit der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Schwulsein fördern. Die Network-Kulturkommission wählt jeweils eine Sparte aus, in welcher der Preis vergeben wird und beruft eine kompetente Jury.
Der Network-Kulturpreis ist ein Förderpreis und ist mit Fr. 10 000.– dotiert.
Kulturelle Projekte, welche von Network unterstützt werden
Network und Networker unterstützen ideell und teilweise auch materiell folgende kulturelle Projekte in der Schweiz:
Everybody's Perfect, das schwullesbische Filmfestival in Genf
Luststreifen, schwules Filmfestival in Basel
Pink Apple, schwullesbisches Filmfestival in Frauenfeld und Zürich
Pink Panorama, schwullesbisches Filmfestival in Luzern
Pro Elisarion, der Verein für die Erhaltung des künstlerischen Nachlasses von Elisàr von Kupffer
Queersicht, schwullesbisches Filmfestival in Bern
Schwulengeschichte.ch, die Website über das Leben der Schwulen und ihrer Emanzipation
Kontakt mit der Network-Kulturkommission
