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30 Jahre network 20.2.26

30 Jahre network: «Was wir haben, ist nicht selbstverständlich»

Patrick Meister ist Mit-Organisator des Jubiläumswochenendes (Bild: zvg)

Jubiläumswochenende statt Pflichtprogramm: Networker Patrick Meister spricht über Glück und Verantwortung nach 30 Jahren network, über politischen Gegenwind, neue Leidenschaft im Verein und warum sich die Reise nach Zürich für diese spezielle GV besonders lohnt.

Wie würdest du den Charakter der kommenden Network-GV in drei Worten beschreiben?
Vielfältig, leidenschaftlich, zeitgeistig.

30 Jahre network. Was bedeutet das für dich persönlich?
Für mich bedeutet 30 Jahre network vor allem eines: Glück und auch Aufbruch. Ich bin ü50 und gehöre zu einer Generation, die in ein politisch und auch gesellschaftlich mehr oder weniger gemachtes Nest kommen durfte. Viele Kämpfe der Gründergeneration musste ich nicht mehr führen. Ich kann heute offen schwul leben, ohne Einschränkungen in meinem Alltag. In diesen 30 Jahren wurde sehr viel erreicht – hier gilt es Danke zu sagen.

Gleichzeitig leben wir in politisch wilden Zeiten. Das Erbe zu bewahren und zu mehren ist zentral. Viele der Männer, die sich damals mit grosser Leidenschaft für den Verein und unsere Anliegen eingesetzt haben, werden die nächsten 30 Jahre wohl nicht mehr erleben. Umso wichtiger ist es, dass diese Leidenschaft weitergeht und jüngere Menschen verstehen, dass das Erreichte nicht selbstverständlich ist und wir noch viel Potential für neue spannende und engagierte Mitglieder haben.

Was ist euch bei der Planung der diesjährigen GV wichtig?
Uns war von Beginn an klar: Es soll nicht nur eine Generalversammlung sein. Die GV ist zwar ein wichtiger statutarischer Bestandteil, doch bewusst sprechen wir von einem Jubiläumswochenende, das unterschiedlichen Zielgruppen Rechnung trägt – inhaltlich, kulturell und gesellschaftlich. Wir als OK teilen den Anspruch, dass dieser Anlass etwas Besonderes wird. Die Stadt und die Regionalgruppe Zürich möchten sich von ihrer besten Seite zeigen – offen, inspirierend und mit einem klaren Qualitätsanspruch.

Meine persönliche Motivation ist auch, den Grundstein für die nächste Generation zu legen. Vereinsleben klingt per se nicht wahnsinnig sexy. Umso wichtiger ist es, die Fahne hochzuhalten und zu zeigen, dass Engagement Spass machen kann. Hier hätte network ganz klar noch Potenzial.

Du bist zuständig für Sponsoring. Was kannst du verraten?
Emil Frey (mit Range Rover) ist beispielsweise einer unserer Hauptsponsoren. Sie unterstützen uns bei diesem Jubiläum grosszügig, was uns im OK sehr freut. Grundsätzlich muss man sagen, dass Sponsoring für LGBTI-Aktivitäten schon populärere Zeiten gesehen hat als heute, insbesondere bei grossen Firmen. Unternehmen, die unsere Community früher selbstverständlich unterstützt haben, machen das heute teilweise nicht mehr.

Übrigens haben wir am Samstag des Jubiläumswochenendes ein öffentliches Podium zum Thema Backlash rund um LGBTI-Themen. Wir diskutieren das mit Daten aus der Forschung und mit Exponenten aus der Wirtschaft. Das wird spannend und hoffentlich auch kontrovers. Ich mag kontroverse Diskussionen, weil es leidenschaftliche Argumente entfacht – wenn sich alle nur auf die Schulter klopfen, ist es langweilig.

Party im Hive, Workshops und Gala-Dinner. Das Programm des Jubiläumswochenendes ist schon online und sehr vielversprechend. Worauf freust du dich am meisten?
Zwei Dinge. Einerseits den Moment am Freitagabend, wenn bei vollem Haus das Flying Dinner serviert wird. Dann weiss ich:  Alle Gäste sind angekommen, hatten schon Drinks, und ich kann mir auch ein paar Gin Tonics gönnen. Ab 23 Uhr öffnet der Club regulär und ich bin ein Stück weit aus der Verantwortung raus. Die Partycrowd kommt dazu, die Musik wird lauter, das Licht geht runter – und die Weichen für eine lange Nacht sind gestellt. Andererseits gibt’s am Samstagabend eine mega Multi-Media-Show auf unserer 360 Grad Leinwand über den Köpfen der Leute. So etwas gab es noch nie!

Gibt es gegenwärtig Hindernisse oder eine Knacknuss in der Planung der GV?
Wir haben als zehnköpfiges OK sehr früh mit der Planung begonnen, was sich gelohnt hat. Am Anfang mussten wir uns finden und etwas eingrooven. Wir sind alles leidenschaftliche Macher und hatten viele Ideen. Weil wir früh gestartet sind, konnten wir breit diskutieren, was ein lässiges Programm ist und wen wir einbinden wollen. Jetzt konzentrieren wir uns vor allem darauf, unsere Mitglieder und Gäste zu mobilisieren.  Wir haben ein starkes Programm und für die Eintrittsgebühr wird unter anderem mit Show-Acts und Speis und Trank viel geboten. Unsere Vision ist ein volles Haus.

Erzeugt es auch einen gewissen Druck, die GV zu diesem besonderen Jubiläum zu planen?
Ja, Druck ist da. Aber Druck ist Reibung, Reibung ist Wärme, und Wärme ist Liebe. Ich freue mich sehr. Alle im OK sind sich beruflich gewohnt, Verantwortung zu getragen – dennoch wollen wir es natürlich gut machen. Es geht nicht nur darum, einen Anlass mit Discokugeln zu organisieren. Wir wollen etwas auf die Beine stellen, dass alle Geschmäcker anspricht: jüngere Männer, Menschen mittleren Alters wie ich, aber auch Pensionierte. Jeder soll sagen können: Da ist etwas für mich dabei, ich habe neue tolle Männer getroffen … und getanzt.

Mit wie vielen Teilnehmenden rechnet ihr?
Am Freitagabend haben wir Platz für 250 Personen, am Samstagabend für 350 Personen. Mitglieder können ihre Begleitung mitbringen. Wir freuen uns, wenn wir viele Mitglieder aus der ganzen Schweiz mobilisieren  können.

Was würdest du jemandem sagen, der noch nie an einer GV war und unsicher ist, ob er kommen soll?
Ich würde sagen: «Komm – es lohnt sich». Es weht ein neuer Wind bei network. In 30 Jahren gab es verschiedene Phasen, Menschen sind gegangen und wieder zurückgekommen. Ich lade einfach alle ein, vorbeizuschauen. Alle Locations sind zentral gelegen und gut erreichbar. Es ist eine lässige Community mit spannenden Leuten aus allen Branchen und Regionen. Uns verbindet, dass wir nebenbei auch noch schwul sind.

Was macht network in deinen Augen einzigartig?
Ich bin seit acht Jahren dabei. Lange war ich beruflich sehr eingespannt und daher eher ein stilles Mitglied. Zudem war auch der Ruf war nicht immer gleich gut. Jetzt habe ich etwas mehr Zeit, habe Bock den Verein mitzugestalten und habe so in den letzten Wochen unglaublich viele coole und inspirierende Leute kennen gelernt.

Was tust du, wenn du dich nicht gerade für network engagierst?
Ich war in den letzten 20 Jahren in der IT- und Tech-Branche tätig, meist in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Geschäftsentwicklung.

Wie schaltest du ab?
Mit Menschen und frischer Luft. Ich bin gerne mit Leuten unterwegs, nicht im klassischen Nachtleben, sondern beim Essen, Diskussionen und Hobbys. Ich reise viel und lerne gern. Ich war letzthin auch in Italien an einer Sprachschule. Weiter mag ich immer wieder Vorlesungen an der Uni zu politischen Themen zu besuchen. Ich glaube, man muss intellektuell stimuliert sein, um selbst inspirierend zu wirken. «You have to be inspired to inspire.»

Was wäre dein Wunsch für die nächsten 30 Jahre network?
Ich fände es grossartig, wenn wir network auf breitere Beine stellen und die Mitgliederbasis erweitern könnten. Ich kenne viele coole schwule Männer mit spannenden Jobs, die network gar nicht kennen. Ich wünsche mir mehr Mitglieder aus allen Altersgruppen, die Freude an dieser Art von Vereinsleben haben. Und dass wir auch in 30 Jahren wieder tolle GVs organisieren können, hoffentlich in einem noch grösseren Saal.

Und was wünschst du den Networkern für die nächsten 30 Jahre?
Wir sind alle hoch digitalisiert und ständig «on». Ich glaube aber, dass das Physische wieder an Bedeutung gewinnt. Wir verbringen so viel Zeit in Calls, am Computer oder auf Plattformen. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis, sich einfach wieder zu treffen. Es ist schön, mit fremden Menschen ein Bier oder einen Kaffee zu trinken und sich über irgendetwas zu unterhalten – ohne etwas Konkretes zu wollen. Das wünsche ich uns.

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