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30 Jahre network 20.2.26

6 Leadership-Tipps von den network-Profis

Bild: Markus Winkler, Unsplash

Wer sich bei network engagiert, wächst nicht nur persönlich, sondern nimmt auch wertvolle Erfahrungen fürs Berufsleben mit. Der ehemalige Präsident Oliver Fritz und der Mitgründer des Swiss LGBTI-Labels Stefan Hürlimann teilen ihre wichtigsten Erkenntnisse.

Wer mit dem Gedanken spielt, bei network ein ehrenamtliches Amt zu übernehmen, schreckt vermutlich zuerst vor dem Arbeitsaufwand zurück. Und fragt sich: Was bekomme ich dafür zurück?

Zunächst einmal gibt man der Community etwas zurück, stärkt die Sichtbarkeit von network und setzt sich für die Anliegen des Vereins ein. Dieses «Giving Back» ist für viele Motivation genug. Doch ein Engagement bringt auch ganz konkrete immaterielle Vorteile – für die persönliche Entwicklung ebenso wie für die berufliche Laufbahn.

Oliver Fritz war von 2008 bis 2014 Präsident von network. Stefan Hürlimann engagierte sich mehrere Jahre im Vorstand der Regionalgruppe Zürich und war Mitgründer des Swiss LGBTI-Labels, das er insbesondere in der Pilotphase intensiv begleitete. In dieser Zeit sammelten beide umfangreiche Führungs- und Organisationserfahrungen. Hier teilen sie fünf zentrale Learnings.

1. Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren
Für einen Verein wie network, der stark vom ehrenamtlichen Engagement in der Freizeit seiner Mitglieder lebt, ist ein funktionierender Informationsfluss entscheidend.

Oliver Fritz betont: «Es ist eine Erwartung der Mitglieder da, dass man zügig auf Fragen und Bedürfnisse reagiert.» Die Antwort könne durchaus kurz sein – ein Ja, ein Nein oder auch ein «Das ist schwierig». Entscheidend sei, überhaupt zu antworten.

Ein einfaches Weiterverweisen nach dem Motto «Melde dich beim Regionalvorstand» reiche nicht aus. Wer Führungsverantwortung übernimmt, muss ansprechbar bleiben. «Man muss reagieren – und wenn die Frage später nochmals kommt, ist es gut, wenn man Bescheid weiss», so Oliver.

Transparenz bedeutet auch, Informationen proaktiv zu teilen: Was läuft gut? Wo gibt es Herausforderungen? Welche Entscheidungen stehen an? Führung heisst, Orientierung zu geben.

2. Menschen nicht alleine lassen
Im Ehrenamt engagieren sich viele für Herzensprojekte – Themen, die ihnen besonders wichtig sind. Die Versuchung ist gross, als Führungsperson erleichtert aufzuatmen, wenn sich jemand für ein Projekt meldet. Doch damit ist es nicht getan.

Gerade bei grösseren Vorhaben sollte man sich fragen: Schafft diese Person das allein? Braucht es Unterstützung? «Es ist eine Kunst herauszufinden, wie viele Ressourcen ein Projekt wirklich braucht», sagt Oliver.

Während seiner Präsidentschaft hatte network rund 300 Mitglieder – etwa halb so viele wie heute. Dennoch wurden wichtige Meilensteine erreicht: der Logowechsel, die regionale Erweiterung, der stärkere Einbezug der Westschweiz. «Andere Ideen sind versandet», erinnert er sich. Nicht alles ist realistisch umsetzbar. Genau hinzuhören und ehrlich einzuschätzen, was machbar ist, gehört zur Führungsaufgabe dazu.

3. Positivität fördern
Network-Mitglieder engagieren sich freiwillig. Sie zahlen einen Mitgliederbeitrag und investieren zusätzlich Zeit – ohne finanzielle Entschädigung. Entsprechend wichtig ist ein positives Umfeld. Ob Filmabend oder Vernetzungstreffen: Wer ein OK leitet, muss Menschen zusammenbringen, die gerne zusammenarbeiten. Nach einer Sitzung sollte idealerweise das Gefühl bleiben: «Das war produktiv – ich freue mich aufs nächste Mal».

«Wenn sich zu schnell Hierarchien bilden und jemand denkt, er sei der Chef, während andere nur ausführen sollen, funktioniert das nicht», sagt Oliver. Menschen müssen ihre Bedürfnisse und Stärken einbringen können. Dazu gehören auch Wertschätzung, Feedback und Lob. Motivation ist im Ehrenamt keine Selbstverständlichkeit – sie muss gepflegt werden.

4. Man kann es nicht allen recht machen
Bevor Stefan Hürlimann das Swiss LGBTI-Label mitgründete, war er mehrere Jahre im Vorstand der Regionalgruppe Zürich aktiv und organisierte zahlreiche Events. «Man steckt viel Herzblut hinein», sagt er. «90 Prozent finden den Anlass toll, zehn Prozent weniger bis gar nicht.»

Gerade in einem Verein mit unterschiedlichen Erwartungen und Persönlichkeiten ist Kritik unvermeidlich. «Es ist abgedroschen, aber es stimmt: Man kann es nicht allen recht machen», sagt Stefan. Entscheidend sei, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Dieses Mindset habe ihm bereits ein früherer Präsident mitgegeben.

5. Gute Dinge brauchen Zeit
Vom ersten Gedanken bis zur ersten Zertifizierung dauerte es beim Swiss LGBTI-Label mehr als fünf Jahre. Zusammen mit Partner Wybernet investierte network viel Zeit und Energie in die Entwicklung. Man schaute sich bestehende Labels in Deutschland und England an, entwickelte Kriterien, feilte am Fragebogen für das Qualitätssiegel und holte zahlreiche Rückmeldungen ein.

Auch sogenannte Pionierfirmen wie die Zürcher Kantonalbank unterstützten das Projekt frühzeitig. Zudem wurden andere LGBTI-Organisationen eingebunden – was zu zusätzlichen Inputs, aber auch zu vielfältigen bis kontroversen Feedbacks führte.

«Mehrmals war ich wirklich kurz davor zu sagen: Das kommt nicht zustande», erinnert sich Stefan. Ein solches Projekt ehrenamtlich auf die Beine zu stellen, erfordert Durchhaltevermögen. Sein Learning: Zeit einplanen – und nicht alles persönlich nehmen. «Wenn ich es nochmals machen würde, würde ich es relaxter angehen.»

6. Servant Leadership (Dienende Führung)
Dies ist gemäss Stefan Hürlimann das wichtigste Prinzip. Da in Vereinen die Währung «Geld» fehle, sei intrinsische Motivation – also Freude und Sinnstiftung – das wichtigste Gut. «Du bist kein Chef, der Befehle erteilt, sondern ein Ermöglicher, der Hindernisse aus dem Weg räumt. Diese drei Säulen im Ehrenamt sind meines Erachtens zentral: Wertschätzung, Partizipation – wer mitgestalten darf, bleibt engagiert – sowie Schutz, dass die engagiertesten Leute nicht ausbrennen», sagt Stefan. «Mein Fazit: Im Unternehmen folgen dir die Leute, weil sie müssen. Im Verein folgen sie dir nur, wenn sie es wollen.»

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