Vorstand 30.4.26
GV 2026: Fulminantes Jubiläum in Zürich
217 Networker sowie Gäste und Interessenten nahmen an der 30. Generalversammlung teil. Als Festredner verlieh Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger dem Jubiläum einen würdigen Rahmen.
Am 24. und 25. April feierte network in Zürich sein 30-jähriges Bestehen mit einem vielseitigen Programm, das Feierlichkeit und inhaltliche Auseinandersetzung verband. Den Auftakt machte am Freitagabend eine ausverkaufte Eröffnungsparty im Hive. Am Samstag folgten Workshops sowie das Podium «Gegen den Strom – Gay Leadership in Zeiten des Backlash», bevor am Nachmittag die Generalversammlung in der Aula der Universität Zürich stattfand.

Eine Rede zwischen Rückblick und Mahnung
217 stimmberechtigte Networker – mehr als ein Drittel aller Mitglieder – nahmen an der GV teil. Die Eröffnungsrede hielt Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, der bereits zur Zeit der network-Gründung 1996 im Bundesrat sass.
Er erinnerte an seine Teilnahme an der Pride 2001 – als einer der ersten amtierenden Staatsoberhäupter überhaupt – und ordnete diese im Kontext eines schwierigen Jahres ein: «Diese Rede war eines der wenigen Highlights meines Präsidialjahres», sagte er mit Blick auf Ereignisse wie das Attentat in Zug, den Gotthardbrand oder das Swissair-Grounding.
Gleichzeitig spannte er den Bogen zur Gegenwart: «Heute welkt Europa eher, als es aufblüht.» Leuenberger verwies auf politische Verschiebungen, den internationalen Backlash und den Rückzug von Diversity-Programmen. Fortschritte seien nie selbstverständlich: «Errungenschaften müssen immer wieder gegen Vorurteile und Hetzkampagnen verteidigt werden.» Sein Fazit: Sichtbarkeit und Engagement bleiben entscheidend.
Auch weitere Gäste – darunter Vertreter:innen von Wybernet, Pink Cross sowie Partnerorganisationen aus Deutschland und Österreich – würdigten die Entwicklung von network und betonten die Bedeutung eines starken Netzwerks für die Zukunft.

Ein Verein mit klarer Strategie
Im statutarischen Teil blickte Präsident Andy Künzler auf das Vereinsjahr 2025 zurück. Ein zentraler Meilenstein war die Finalisierung der Strategie 2025–2028 mit fünf Schwerpunkten: Wachstum der Mitgliederbasis, Weiterentwicklung des Angebots, stärkere Einbindung der Mitglieder, Ausbau der Rolle in Politik und Gesellschaft sowie erhöhte Sichtbarkeit.
Zudem wurden Initiativen wie das Programm «Network Skills», ein strukturierter Leitfaden für Neumitglieder sowie Nachfolgeregelungen lanciert. Künzler betonte besonders die Rolle der Regionen: «Rund 300 Events wurden 2025 organisiert. Das ist vor allem das Verdienst unserer Regionalleiter.»
Auch Finanzverantwortlicher André Wälti würdigte die Arbeit der Regionen, die massgeblich zu einem stabilen Budget beigetragen hätten.
Ausblick und personelle Veränderungen
Die Kommissionen gaben Einblick in ihre Pläne für 2026. Die Politische Kommission kündigte eine Mitgliederumfrage zu künftigen Schwerpunkten an und will sich verstärkt mit Regenbogenfamilien – insbesondere Vätern – befassen. Gleichzeitig bleibt das Thema Backlash präsent.
In der Kommunikation stehen neue Formate im Fokus, darunter Workshops für Social Media sowie eine stärkere Medienarbeit. Auch organisatorisch wird weiter aufgebaut.
Im Vorstand kam es zu mehreren Wechseln: André Wälti, Alejandro Betancor und Stefan Marxer traten zurück. Neu gewählt wurden Willi Leutenegger, Diego Stöcklin und Adriano Di Dia. Auch auf regionaler Ebene gab es Verabschiedungen, unter anderem von Stephan Bitzi (Innerschweiz), Raphael Hatem (Genf) und Emilio Motta (Tessin).
Die statutarischen Geschäfte – Jahresrechnung, Budget und Vorstand – wurden einstimmig genehmigt. Diskutiert wurde die Senkung des Mitgliederbeitrags ab 2027. Trotz einzelner kritischer Stimmen wurde die Anpassung mehrheitlich angenommen.

Engagement, das trägt
Den Abschluss bildete die Ernennung von Dieter Achtnich zum Ehrenmitglied. In der Laudatio wurde sein langjähriges Engagement gewürdigt – oft im Hintergrund, aber mit grosser Wirkung. Als Gründungsmitglied habe er network über Jahre hinweg geprägt, Menschen begleitet und sich insbesondere während der Aids-Krise eingesetzt.
Achtnich selbst brachte es in seinen Worten auf den Punkt: Engagement bedeute nicht zwingend, im Vordergrund zu stehen, sondern Verantwortung zu übernehmen und Teil einer Gemeinschaft zu sein, die über sich selbst hinauswirkt.
Ein Galaabend der besonderen Art
Am Abend verlagerte sich das Jubiläum ins Aura in Zürich, wo so viele Teilnehmende wie noch nie den festlichen Abschluss der Generalversammlung feierten. Unter den Gästen befanden sich Ehrenmitglieder, Partner und Freunde von networkern, Vertreter der Sponsoren, langjährige Wegbegleiter sowie der künftige Zürcher Stadtpräsident Raphael Golta mit seiner Ehefrau Catherine Heuberger-Golta. Ein historischer Höhepunkt war die persönliche Grussbotschaft von Bundespräsident Guy Parmelin, der network zum 30-jährigen Bestehen gratulierte. Dass erstmals ein amtierender Bundespräsident eine solche Würdigung an den Verein richtete, unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung von network und die Anerkennung seines langjährigen Engagements.

Drei Acts, grosse Emotionen und 30 Jahre Geschichte
Der Galaabend verband eine aussergewöhnliche Atmosphäre mit einem emotionalen Rückblick auf drei Jahrzehnte Vereinsgeschichte. In eindrücklichen Interviews kamen Ehrenmitglieder, junge Professionals und weitere Stimmen aus dem Netzwerk zu Wort und machten sichtbar, wie stark network Menschen, Karrieren und gesellschaftliche Entwicklungen geprägt hat. Auch künstlerisch setzte der Abend mit drei herausragenden Acts starke Akzente: Die neuseeländisch-schweizerische Drag Queen Chris Oh brachte Glanz, Humor und Bühnenpräsenz in den Saal. Für einen weiteren Höhepunkt sorgte ein spektakulärer Akrobatik-Act von Moritz Haase an der Decke des Aura. Eröffnet wurde der Abend von den beiden international renommierten Balletttänzern Esteban Berlanga und Gabriel Stoyanov, deren zeitgenössisches Tango-Ballett die Feier mit Eleganz, Spannung und Ausdruckskraft bereicherte.
Zwischen Applaus, Begegnungen und Festlichkeit wurde spürbar, was network seit 30 Jahren ausmacht: ein professionelles Netzwerk, das verbindet, stärkt und Menschen ermutigt, sichtbar Verantwortung zu übernehmen.