Politik 31.8.26
«Ich bin Bundesanwalt und schwul, nicht schwuler Bundesanwalt»
Networker Michael Lauber stellt am 29. September seine neue Biografie vor. Geschrieben hat sie mit Dyami Häfliger ebenfalls ein Networker – nachdem sich die beiden bei einem Anlass der Young Professionals kennengelernt hatten.
Verantwortung und Selbstbestimmung: Diese beiden Begriffe ziehen sich bereits durch den Titel der neuen Biografie von Michael Lauber. Und beide hätten ihn sein Leben lang begleitet, sagt der ehemalige Bundesanwalt. «Ich gestalte gerne, treffe gerne Entscheidungen und habe keine Angst davor.» Zur Entscheidungsfreiheit gehöre aber immer auch die andere Seite: «Man muss die Verantwortung für das tragen, was man entschieden hat.»
Selbstbestimmung wiederum verbindet Michael stark mit seiner eigenen Biografie als schwuler Mann. Ein Coming-out sei schliesslich nicht irgendwann abgeschlossen. «Es sind immer wieder andere Menschen, bei denen man sich neu outet.» Lange habe er sich gewünscht, diesen Prozess irgendwann hinter sich lassen zu können. Mit der Zeit habe sich seine Haltung verändert: «Es gehört zu mir und ist nicht fertig. Aber ich bin mehr als schwul.»
Heute entscheidet Michael bewusst, wann seine sexuelle Orientierung relevant ist und wann nicht. Es gehe weder darum, sie zu verdrängen, noch darum, sie ständig in den Vordergrund zu stellen. «Ich kann es sagen, wenn es sein muss und muss es nicht sagen, wenn es nicht sein muss.»
Mehr als der Bundesanwalt
Genau solche persönlichen Perspektiven finden sich in «Michael Lauber – Ein Leben für Verantwortung und Selbstbestimmung». Während seiner Zeit als Bundesanwalt wurde Michael über Jahre fast ausschliesslich über sein Amt wahrgenommen. «Das Amt hat sehr viel von mir als Person eingenommen. Gleichzeitig habe ich das Amt mit meiner Person geprägt.» Das Buch spanne nun einen grösseren Bogen und zeige auch, woher er komme, welche Ansichten ihn geprägt hätten und welche Erfahrungen hinter der öffentlichen Figur stünden.
Die andere Seite dieser Bekanntheit kennt er ebenfalls. Besonders gegen Ende seiner Amtszeit habe er die Berichterstattung als zunehmend persönlich empfunden. «In meiner Sicht war es am Schluss eine sehr persönliche Kampagne.» Klagen wolle er darüber heute nicht. Er habe gelernt, mit seiner Rolle als öffentliche Person umzugehen. Abstand fand er damals bewusst ausserhalb der juristischen Welt: in der Natur, auf Reisen, beim Essen oder bei Musik.
Entstanden bei network
Dass seine Lebensgeschichte einmal als Buch erscheinen würde, hatte Michael nicht erwartet. Die Verbindung zu Autor Dyami Häfliger entstand bei network. Michael war damals noch kein Mitglied und wurde für ein Panel der Young Professionals angefragt. Der Austausch hinterliess Eindruck: «Als schwuler Mann weiss ich, wie wichtig es ist, Role Models zu haben. Dass man sich unkompliziert in einem Raum austauschen kann, fand ich super.»
Schliesslich entschied er sich für eine Mitgliedschaft und aus der Begegnung mit Dyami entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis. Für das Buch folgten stundenlange Gespräche. «Man lässt bei solchen Interviews eine Person sehr nahe an sich heran. Ich bin sehr dankbar, dass es Dyami ist.»
Dessen Blick auf seine Lebensgeschichte habe teilweise auch ihn selbst überrascht. Das geduldige Nachfragen habe ihn dazu gebracht, gewisse Stationen und Spannungsfelder neu zu betrachten. Auch die Verbindung seiner Erfahrungen mit Fragen zu Führung und Verantwortung habe er selbst so noch nie hergestellt.
Vertrauen in Institutionen
Bei der Buchvernissage am 29. September soll es deshalb nicht primär um juristische Details aus Michaels Zeit als Bundesanwalt gehen. Ein Thema wird vielmehr die Rolle von Institutionen in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft sein.
Für Michael steht dabei Vertrauen im Zentrum. «Ohne den Glauben und das Vertrauen in Institutionen funktioniert eine Demokratie nicht.» Das gelte für Polizei und Justiz genauso wie für Parlamente und Gerichte. Auch die Medien sieht er als vierte Gewalt in der Verantwortung.
Trotz aller technologischen Entwicklungen brauche es weiterhin Menschen, die Verantwortung übernehmen. «Am Ende entscheiden Menschen unter politischem, zeitlichem und persönlichem Druck.» Gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz könne die Bedeutung funktionierender Institutionen deshalb noch zunehmen.
«Ich bin einfach ich»
Auch in seinen eigenen Führungspositionen wollte Michael seine sexuelle Orientierung nie zum bestimmenden Merkmal machen. «Ich bin Bundesanwalt und schwul. Ich bin kein schwuler Bundesanwalt», bringt er sein damaliges Selbstverständnis auf den Punkt.
Das bedeute nicht, dass ihm die Community nicht wichtig sei. Aber weder sein Beruf noch seine sexuelle Orientierung allein definierten seine Identität. Die Selbstbestimmung aus dem Buchtitel ist für ihn deshalb zentral: «Wie die Freiheit ist sie für mich das A und O. Ich könnte nicht leben, wenn man mir immer sagt, was ich machen muss.»
Wenn seine Erfahrungen gerade jüngeren Menschen Orientierung geben können, hat sich das Buch für Michael gelohnt: «Wenn das Buch im positiven wie im negativen Sinn Orientierung geben kann, dann hat es seinen Zweck erfüllt.»
Am 29. September stellen Michael Lauber und Dyami Häfliger das Buch gemeinsam bei network vor und sprechen über Verantwortung, Öffentlichkeit, Führung und Selbstbestimmung. Mehr Informationen und Anmeldung über My Network.