Arbeitswelt 20.2.26
Investieren in LGBTI-Start-ups: Wie funktioniert das?
Identity.vc ist ein Fonds, der junge, innovative und queer-geführte Firmen fördert. Wer darin investiert, kann unter Umständen lukrative Gewinne erzielen, geht aber auch ein grosses Risiko ein. Networker Max E. Katz ordnet ein.
In Europa gab es lange keinen Venture-Capital-Fonds, der gezielt queere Gründer:innen unterstützt. Identity.vc schliesst diese Lücke. Der Fonds investiert europaweit in junge Start-ups, deren Gründungssteams mindestens teilweise LGBTIQ-identifiziert sind – und setzt dabei auf ein Prinzip, das einfach klingt und längst aus D&I-Kreisen bekannt ist: Vielfalt ist ein Innovationssignal.
Til Klein, Mitgründer von Identity.vc und zurzeit Interessent bei network, erklärt: «Innovation entsteht oft, wenn man alte Normen infrage stellt – das liegt der LGBTI-Community im Blut. Gleichzeitig ist es ein riesiger Markt: Eins von sechs Start-ups hat einen queeren Co-Founder, aber bisher kümmert sich niemand gezielt um diese Gruppe.»
Der Fonds investiert branchenübergreifend – von KI-basierten Lösungen bis zu innovativem Hundefutter. Zwei Beispiele: Peak AI aus Berlin hilft Unternehmen, mit künstlicher Intelligenz besser gefunden zu werden. Omni aus Grossbritannien produziert hypoallergenes Hundefutter aus alternativen Proteinen und wächst bereits stark. Innovation und Markttauglichkeit sind wichtig, aber sie machen noch kein erfolgreiches Start-up, so Til: «Bei Start-ups zählt vor allem das Team. Risikobereitschaft, Resilienz und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, sind entscheidend – egal, ob queer oder nicht. Queere Gründer:*innen bringen oft zusätzlich den Mut mit, Dinge anders zu machen, und das zahlt sich aus.»
Gerade für Networker, die Gleichgesinnte fördern und unterstützen möchten, könnte Identity.vc eine interessante Investitionsmöglichkeit sein. Max E. Katz, selbst Investor im Fonds, ist seit knapp zwei Jahren dabei. Er sagt: «Der Fonds hat über die LGBTI- Community einen einzigartigen, frühen Zugang zu sehr starken Startups und unterstützt somit auch Grundsätze von Network», sagt er. «Networker ab einem bestimmten Vermögen können dank Identity.vc ihre Anlagen diversifizieren und am lukrativen Segment der Startups partizipieren.»
Natürlich bleibt das Risiko: Start-ups stecken mitten im Aufbau, Zeit und Kapital sind knapp. Da könnte es durchaus sein, dass es eine junge Firma mal auch nicht «schafft». Das sagt auch Max: «Investitionen in Startups sind risikoreich. Der Vorteil von Identity.vc ist, dass in einem klar definierten Evaluationsprozess in eine grosse Zahl von Startups investiert wird und damit eine breitere Risikoverteilung erreicht wird.»
Til betont, dass ihm ein persönliches Kennenlernen der Gründer:innen wichtig ist. «Wir lernen sie früh kennen, begleiten ihre Entwicklung und schaffen ein Netzwerk, das ihnen Türen öffnet. Für die Investor:innen wie für die Community entsteht so ein Mehrwert, der weit über die reine Finanzrendite hinausgeht.»