Aller au contenu principal

Arbeitswelt 27.3.26

«Mit kreativen Lösungen geht immer irgendwo eine Türe auf»

Bild: Weber Verlag

Stephan Maeder ist seit 25 Jahren Hoteldirektor des Carlton Europe in Interlaken. Der Umgang mit Krisen gehört für ihn zum Alltag und lässt sich lernen. Was andere Branchen davon mitnehmen können.

Am 1. Mai 2026 feiert Stephan J. J. Maeder ein besonderes Jubiläum: Vor 25 Jahren übernahm der Networker das konkursite Hotel Europe in Interlaken, einige Jahre später kam ein zweites Haus dazu. Daraus entstand das heutige Carlton Europe Hotel. Auf die Frage nach seiner Rolle antwortet der Hoteldirektor mit einem Augenzwinkern: «Stratege – und Generalpraktikant.»

In diesen 25 Jahren hat Stephan viel erlebt. Schon kurz nach der Übernahme wurde sein Team auf die Probe gestellt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 blieben die Gäste von einem Tag auf den anderen aus – ein vollständiger Einnahmeausfall. Ähnlich drastisch war die Situation knapp 20 Jahre später während der Corona-Pandemie.

Wer im Hotelgeschäft tätig ist, muss mit Krisen umgehen können. «Wenn du deine Hausaufgaben richtig machst, bist du gut aufgestellt. Wenn nicht, dann nicht», sagt Stephan. Krisen gehörten genauso dazu wie erfolgreiche Zeiten. Entscheidend sei, sich darauf vorzubereiten und handlungsfähig zu bleiben.

Sein Rezept? Gelassenheit. Und die Einsicht, dass sich vieles nicht beeinflussen lässt. «Du musst lernen, das Beste daraus zu machen und nicht den Kopf in den Sand zu setzen», sagt er. «Das setzt einen gewissen Grundoptimismus voraus. Mit kreativen Lösungen geht immer irgendwo eine Türe auf. Ich bin sehr gerne kreativ.»

Vielfalt als gelebter Alltag
Auch seine Motivation, Mitglied bei network zu sein, ist eng mit dem Berufsalltag verknüpft. Besonders wichtig ist ihm das Thema Vielfalt am Arbeitsplatz. «Mir ist es ein Anliegen, in unserer Branche für eine diverse Arbeitswelt einzustehen.»

Im Carlton Europe zeigt sich das konkret: Im Team arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft, Altersgruppen und Lebensrealitäten, darunter auch mehrere Mitglieder der LGBTI-Community. «Allein der Unterschied zwischen mir in meinen Sechzigern und einem jungen Mitarbeitenden – das sind Welten», sagt Stephan. Umso wichtiger sei es, gegenseitige Wertschätzung zu fördern und die Rechte aller Mitarbeitenden – mit und ohne Behinderung – zu stärken.

Seit 2019 ist das Carlton Europe ein Adults-only-Hotel – ein bewusster Entscheid und ein gewisses Risiko, ist es doch das erste seiner Art in der Schweiz. «Ich würde es sofort wieder tun», sagt Stephan.

Die Region Interlaken sei zu klein für ein reines LGBTI- oder Men-only-Hotel. Das Adults-only-Konzept ermögliche jedoch eine klare Positionierung. «Es hat enorm geholfen, dass wir nicht mehr alle Märkte bedienen wollen.»

Zu den Gästen zählen heute neben LGBTI-Paaren auch Seminarteilnehmende, Hundebesitzer, Frischverliebte oder Honeymooner. Und auch wenn Kinder im Hotel nicht erlaubt sind, sagt Stephan mit einem Lachen: «Die Produktion findet bei uns trotzdem statt.»

Das Konzept hat auch einen unerwarteten Effekt: «Viele frischgebackene Eltern kommen gerne für ein kinderfreies Wochenende zu uns. Und wenn sie schon einmal ohne Kinder unterwegs sind, wollen sie auch im Hotel keine.»

Zwischen globalen Krisen und lokalen Herausforderungen
Auch heute bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Konflikte wie der Krieg im Nahen Osten wirken sich direkt auf den Tourismus aus. «Man spürt eine Verunsicherung», sagt Stephan. Wenn innerhalb kurzer Zeit zehntausende Flugbewegungen ausfallen, habe das unmittelbare Folgen. Gleichzeitig verändern sich Reisegewohnheiten. «Vielleicht kommen weniger Gäste aus Übersee, dafür mehr Europäer, die bewusst in Europa bleiben.»

Eine weitere Herausforderung ist das wachsende Angebot an Airbnb-Unterkünften in Interlaken. Grundsätzlich sieht Stephan darin keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung: «Sie bedienen Bedürfnisse, die Hotels nicht abdecken, etwa eine eigene Küche oder mehr Privatsphäre.»

Kritisch wird es für ihn, wenn ganze Überbauungen mit Airbnb-Einheiten in Wohnzonen entstehen. «Dann wird der Tourismus schnell zum Sündenbock der Bevölkerung.» Wichtig sei eine klare Abgrenzung: «Rücksichtsloer Tourismus gehört nicht in den Friedhof, in die Kirche oder in Nachbars Garten. Die Privatsphäre muss respektiert werden.»

Spannungen zwischen Einheimischen und Gästen – etwa aus dem arabischen Raum oder Asien – seien kein neues Phänomen, sagt Stephan. «Das gab es schon vor 150 Jahren, als die wohlhabende Engländerin mit ihrem Gefolge anreiste und der Bergbauer den Kopf schüttelte.»

Für ihn ist klar: «Die Situationen wiederholen sich mit anderen Vorzeichen.» Entscheidend sei, einen respektvollen Umgang zu finden. «Ein gutes Nebeneinander muss möglich sein.»

Newsletter-Anmeldung