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30 Jahre network 27.3.26

«Wir kämpften von Anfang an für gleiche Rechte»

Networker Claude Janiak (links) und Bernhard Pulver engagierten sich jahrelang in der Politik.

30 Jahre network – das bedeutet auch 30 Jahre politisches Engagement für Gleichstellung. Alt-Ständerat Claude Janiak und Alt-Regierungsrat Bernhard Pulver vertraten network in der Politik und blicken zurück.

Seit seiner Gründung setzt sich network für die Rechte schwuler Männer und gleichgeschlechtlicher Paare ein. Dieses politische Engagement war einer der zentralen Gründe für die Gründung des Vereins im Jahr 1996 – neben der Vernetzung schwuler Führungskräfte, Selbstständiger und Freidenker. Der nächste Schritt lag damals auf der Hand: eine rechtliche Absicherung für gleichgeschlechtliche Paare. Bereits 1995 hatte Pink Cross die Petition «Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare» mit über 85’000 Unterschriften im Bundeshaus eingereicht. Ein deutliches Signal.

Für Claude Janiak war genau dieser politische Anspruch ausschlaggebend für seinen Beitritt zu network im Jahr 1998. «Der politische Grundgedanke war von Anfang an dabei. Wir kämpften von Anfang an für gleiche Rechte. Das war eine Voraussetzung für mich, dass ich mich im Verein engagieren wollte», erinnert er sich. Damals war er als Anwalt selbstständig tätig und beruflich gut ausgelastet. «Ich brauchte in erster Linie eine Vernetzung. Network war für mich der Schlüssel, damit schwule Männer öffentlich in Erscheinung treten können.»

Im Bundeshaus im Einsatz

1999 wurde Claude für den Kanton Basel-Landschaft in den Nationalrat gewählt, 2007 folgte der Wechsel in den Ständerat. 2006 war er Nationalratspräsident – als erster offen schwuler Politiker der Schweiz. Er stand damit an vorderster Front, als die eingetragene Partnerschaft 2004 vom Parlament verabschiedet wurde. Nach dem Referendum bestätigte das Schweizer Stimmvolk das Gesetz 2005.

Der Erfolg war das Resultat jahrelanger Arbeit von LGBTI-Organisationen, Politiker:innen und massgeblich auch von network. «Dass es uns gelungen ist, die Gesetzgebung in Bern an vorderster Stelle zu beeinflussen, ist die grösste politische Errungenschaft von network», sagt Claude. «Entscheidend war auch, dass schwule Männer in Führungspositionen zunehmend sichtbar wurden – und damit selbstverständlich.»

Trotzdem war der Weg nicht immer einfach. «Es ging stets um die Frage: Wie weit können wir gehen, welche Kompromisse sind nötig?», sagt Claude. «Dass das Adoptionsrecht ausgeklammert wurde, kam nicht bei allen gut an.»

Engagement auf allen Ebenen
Die eingetragene Partnerschaft war der erste grosse politische Erfolg von network auf nationaler Ebene. In den folgenden Jahren engagierte sich der Verein unter anderem bei der Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm auf die sexuelle Orientierung sowie bei der «Ehe für alle». Auch auf kantonaler Ebene war network aktiv – etwa bei der Einführung der eingetragenen Partnerschaft im Kanton Zürich 2002 oder beim Verbot sogenannter Konversionstherapien in mehreren Kantonen.

Bildung als Schlüssel
Networker Bernhard Pulver ist ehemaliger Regierungsrat des Kantons Bern und war von 2006 bis 2018 Vorsteher der Erziehungsdirektion. «Als Bildungsdirektor hatte ich oft mit der Frage zu tun, wie wir Schulen dazu bringen, Themen wie Sexualaufklärung und queere Lebensrealitäten stärker zu verankern», sagt er. Die Herausforderung lag dabei weniger im Lehrplan als in der Umsetzung. «Selbst wenn eine inklusive Sexualaufklärung gut verankert ist, scheitert es oft daran, dass sich Lehrpersonen nicht sicher fühlen, solche Themen im Unterricht anzusprechen.»

Als wichtigen Hebel sieht Bernhard externe Projekte wie das Schulprojekt ABQ, das 2021 mit dem Prix network ausgezeichnet wurde. Schulklassen begegnen dort queeren Menschen und können sich im direkten Austausch mit Themen wie sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität auseinandersetzen. «Solche Projekte leisten einen enorm wertvollen Beitrag», sagt er.

Sichtbarkeit bleibt entscheidend
Beim Blick in die Zukunft sind sich Claude Janiak und Bernhard Pulver einig: Die politische Arbeit ist nicht abgeschlossen. «Menschenrechte sind nicht selbstverständlich. Wir sehen das in Russland oder in den USA. Auch wenn das andere Gesellschaften sind, zeigen sie, dass Rückschritte möglich sind», sagt Bernhard. «Damit es nicht wieder rückwärtsgeht, müssen wir präsent bleiben und sichtbar sein.» Diese Sichtbarkeit sei tief in der DNA von network verankert. «Ich spüre sie im Vereinsleben, im Engagement und auch an den Anlässen. Wir machen damit einen Unterschied – und das ist eine wichtige Aufgabe.»

Claude ergänzt, dass auch das historische Bewusstsein eine zentrale Rolle spielt. «Einige wissen gar nicht mehr, dass es das Partnerschaftsgesetz einmal brauchte und wie es zustande gekommen ist», sagt er. «Wir müssen die Bedeutung solcher Entwicklungen wachhalten – auch Ereignisse wie Stonewall. Wer weiss, wie es früher war, kann besser verstehen, was auf dem Spiel steht – und einem Backlash entgegentreten.»

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