30 Jahre network 27.3.26
Die Wissenschaft hinter dem Backlash
Vor der Generalversammlung findet am Jubiläumswochenende am 25. April ein Podium zum Thema Backlash gegen die LGBTI-Community statt. Eine wissenschaftliche Studie soll dabei neue, aufschlussreiche Perspektiven liefern.
Bevor network am 25. April zur Generalversammlung und zum grossen Festakt zum 30-jährigen Bestehen zusammenkommt, steht ein Programmpunkt mit ernsterem Fokus im Zentrum: das Podium «Gegen den Strom – Gay Leadership in Zeiten des Backlash». Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark die Gegenbewegungen zur LGBTI-Community tatsächlich sind und was sie bedeuten.
«Bei den rechtlichen Errungenschaften der letzten Jahre konnte network oft mit dem Strom schwimmen», sagt Networker Mark Alder, der das Podium moderiert. «Wenn wir die jüngsten politischen Entwicklungen anschauen, spürt man, dass sich dieser Strom langsam gegen uns wendet.»
Doch wie real ist dieser sogenannte Backlash? Handelt es sich um eine tatsächliche Entwicklung – oder eher um ein subjektives Gefühl, verstärkt durch mediale Wahrnehmung und Online-Diskussionen?
Antworten darauf liefert unter anderem Prof. Dr. Tabea Hässler. Sie zeigt anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass die Akzeptanz von LGBTI-Menschen in der breiten Gesellschaft zuletzt tatsächlich wieder abgenommen hat. Parallel dazu zeichnen sich Entwicklungen in der Wirtschaft ab: Grosse Unternehmen fahren Diversity- und Inclusion-Programme zurück oder stellen deren Finanzierung ein.
«Eine Erkenntnis ist zum Beispiel, dass immer noch viele Menschen am Arbeitsplatz nicht geoutet sind», sagt Mark. Auch wenn sich aktuelle politische Angriffe häufig gegen trans und nicht-binäre Personen richten, betreffe dies letztlich die gesamte Community. «Das bedeutet nicht, dass nur ein Teil betroffen ist. Die Rechte aller stehen auf dem Spiel.»
Mark findet dafür ein deutliches Bild: «Wir schwulen Männer stehen gewissermassen an der Spitze der Nahrungskette innerhalb des LGBTI-Alphabets. Diejenigen weiter hinten – insbesondere trans und nicht-binäre Personen – sind derzeit stärker von Diskriminierung betroffen. Wenn wir das zulassen, besteht die Gefahr, dass sich diese Entwicklung auf die gesamte Community ausweitet.»
Ergänzt wird das Podium durch weitere Perspektiven: Networker Dr. Jörg Koller bringt seine langjährige Erfahrung in der queeren Forschung ein, während Dr. Patrick Weber die Sicht aus der Unternehmenswelt und den Umgang mit Diversity und Inclusion beleuchtet.
Ein besonderes Anliegen ist den Organisatoren die Einbindung des Publikums. «Das Podium soll interaktiv sein», sagt Mark. «Wir möchten den Kreis öffnen und auch die Gäste zu Wort kommen lassen.»
Mit rund 45 Minuten ist die Zeit für das Podium bewusst kompakt gehalten. «Diese Zeit reicht natürlich nicht aus, um das Thema vollständig zu vertiefen», sagt Mark. «Aber das ist auch nicht das Ziel. Wir wollen einen Denkanstoss geben und die Gespräche werden beim Apéro oder Abendessen sicher weitergehen.»
Bleibt die Frage, ob ein solches Thema zum festlichen Jubiläumswochenende passt. Für Mark ist die Antwort klar: «network wurde gegründet, um schwule Männer im Business sichtbar zu machen. Auch nach 30 Jahren sind wir an einem Punkt, an dem diese Sichtbarkeit weiterhin nötig ist – vielleicht wieder mehr denn je. Es braucht uns noch immer.»