Arbeitswelt 15.1.26
Neues Präsidium Swiss LGBTI-Label: Vernetzung ist der Schlüssel
Das Swiss LGBTI-Label steht heute auf solidem Fundament, doch Stillstand ist keine Option. Co-Präsident Frank Preuss erklärt, weshalb es jetzt ein «Label 2.0» braucht und warum gerade KMU eine zentrale Rolle spielen.
Frank, nach deiner Zeit als network-Präsident führst du nun mit Theres Bachofen von Wybernet das Präsidiums des Swiss LGBTI-Labels. Ist dir langweilig geworden?
(lacht) Nein, ganz und gar nicht. Mir ist wirklich nicht langweilig. Ich bin schon sehr lange beim Label dabei, fast seit den Anfängen. Ich war damals auch an der Retraite in Schönried, als die Idee entstand, dass wir in der Arbeitswelt etwas bewegen müssen. Seitdem begleitet mich das Label immer parallel zu network. Ich war Label-Botschafter, später in der Vergabekommission – der Schritt ins Co-Präsidium ist für mich eine logische Weiterentwicklung.
In welchem Zustand hast du das Präsidium übernommen?
Das Label steht heute sehr gut da. Es gibt ein starkes Team und es wurde in den letzten Jahren enorm gute Vorarbeit geleistet. Ohne diese Arbeit hätten wir heute keine rund 80 Firmen, die das Label tragen. Jetzt ist es aber Zeit für den nächsten Schritt. Das Label muss sich weiterentwickeln, sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Ich spreche gerne von «Label 2.0»: mehr Professionalität, schnellere Prozesse, zeitgemässeres Auftreten.
Was ist aktuell wichtiger: bestehende Firmen zu rezertifizieren oder neue Unternehmen zu gewinnen?
Beides ist wichtig. Neue Firmen zu gewinnen ist im aktuellen politischen Umfeld allerdings schwierig, vor allem grosse Konzerne tun sich schwer. Deshalb wollen wir uns stärker auf KMU konzentrieren und in die Breite gehen.
Gleichzeitig haben wir Firmen, die sich bereits zum dritten Mal rezertifizieren lassen. Sie stellen zu Recht die Frage: Was bringt uns das konkret? Genau hier müssen wir ansetzen. Wir wollen diesen Unternehmen mehr bieten: Veranstaltungen, Diskussionen, Weiterbildungen und vor allem Vernetzung. Am Ende dreht sich alles um Vernetzung.
Letztes Jahr gab es aus den USA einen deutlichen Backlash gegen Diversity-&-Inclusion-Abteilungen. Hat sich das wieder beruhigt?
Nein, eigentlich nicht. Viele Firmen halten sich in diesem Thema bewusst zurück. Einige sind ausgestiegen, andere versuchen, unter dem Radar zu bleiben – bloss nicht auffallen. Das gilt besonders dort, wo politischer Druck spürbar ist.
Welche Auswirkungen hat das auf eure Arbeit beim Label?
Es ist auch ein Ansporn. Wir dürfen diesem Druck nicht nachgeben. Gerade deshalb setzen wir verstärkt auf KMU und wollen breiter werden. Ich sage oft: Wir haben mit dem Label Bäume gepflanzt. Jetzt müssen sie Wurzeln schlagen – und irgendwann ein Wald werden.
Und wie sieht die Lage in der Schweiz aus?
Bei rein schweizerischen Firmen und Konzernen bekommen wir durchaus positive Rückmeldungen. Viele sagen klar: «Wir ziehen das durch». Das ist extrem motivierend. Schwieriger ist es bei internationalen Konzernen, die sich an Vorgaben aus dem Ausland halten müssen und deshalb vorsichtiger agieren.
Du bist selbst Geschäftsführer bei Rimtec. Hat dich die aktuelle Zoll- und Wirtschaftslage betroffen?
Indirekt ja. Man spürt, dass die Wirtschaft schwieriger geworden ist. Alles wird teurer, viele Unternehmen halten ihr Geld zusammen, Investitionen werden hinausgeschoben. Das wirkt sich natürlich auch auf uns aus.
Was wünschst du dir für das Swiss LGBTI-Label im Jahr 2026?
Ähnlich wie network möchten wir uns international stärker vernetzen. In Europa gibt es verschiedene Organisationen und Netzwerke, die sich mit Diversity- und Inklusionsthemen befassen – etwa Prout at Work oder das European Pride Business Network.
Ich wünsche mir, dass wir diese Zusammenarbeit fördern können: mit ähnlich ausgerichteten Institutionen und Vereinen in der Schweiz und in Europa. Gemeinsam können wir mehr erreichen.
Bildlegende: Von Schweizer Firmen spürt Frank Preuss viel Unterstützung für das Swiss LGBTI-Label.