Pride und Selbstständigkeit 26.6.26
«Wenn du liebst, was du tust, gibt es dir Energie»
Für Vasileios Klonaris stehen Kreativität, Teamgeist und Leidenschaft im Mittelpunkt. Der network-Interessent betreibt heute eine Bäckerei im Waadtland und ist Teil des neuen inklusiven Rugbyvereins Geneva Guardians.
Der Duft von frischem Brot begleitet Vasileios Klonaris schon seit seiner Kindheit. Sein Onkel führte in Griechenland eine Bäckerei, in der er bereits als Junge mithelfen durfte. «Dort habe ich gelernt, wie man Brot backt und Desserts herstellt», erinnert er sich.
Dass er eines Tages selbst Bäcker, Konditor und Chocolatier werden würde, war allerdings nicht geplant. Seine Eltern waren Ingenieure und hätten sich für ihren Sohn einen ähnlichen Weg gewünscht. «Das ist in einer griechischen Familie nicht selten», sagt Vasileios lachend. Er studierte deshalb zunächst Ingenieurwissenschaften und beschäftigte sich intensiv mit Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Doch glücklich wurde er damit nicht.
«Mir fehlte die Kreativität», sagt er. Nach Abschluss seines Studiums entschied er sich deshalb für einen Neuanfang und besuchte eine renommierte Pâtisserie-Schule in Athen. Dort machte er seine Leidenschaft endgültig zum Beruf.
Heute sieht er seine Arbeit als eine Mischung aus Handwerk und Kunst. «Mit Geschmack, Farben, Formen und Texturen kann man jeden Tag etwas Neues erschaffen.» Auch seine naturwissenschaftliche Ausbildung hilft ihm dabei. «Das Wissen über Chemie und die Eigenschaften der Zutaten hilft mir zu verstehen, wie Schokolade, Teig oder andere Komponenten miteinander reagieren.»
2012 zog Vasileios in die Schweiz. Hier arbeitete er viele Jahre in Fünf-Sterne-Hotels und Michelin-Restaurants, bevor er sich Ende 2023 mit seiner eigenen Bäckerei «Le Pain du Quartier» in Crans bei Nyon selbstständig machte.
Seine Kreationen spiegeln die verschiedenen Stationen seines Lebens wider. «Ich habe in mehreren Ländern gearbeitet und nehme von jedem Ort etwas mit.» Neben klassischen französischen Backwaren finden sich deshalb auch griechische Einflüsse in seinem Sortiment. Besonders beliebt im Pain du Quartier sind seine Zimtschnecken und das sogenannte Viking-Brot.
Rugby als zweite Leidenschaft
Neben dem Backen spielt auch der Sport eine wichtige Rolle in seinem Leben. Anfang Jahr schloss er sich den Geneva Guardians an, dem ersten inklusiven Rugbyverein der Schweiz.
«Ich habe bereits in Griechenland Rugby gespielt», erzählt er. Als er hörte, dass in Genf ein LGBTIQ+-inklusiver Verein gegründet wird, wollte er unbedingt dabei sein.
Am Rugby fasziniert ihn vor allem der Teamgedanke. «Niemand kann allein ein Spiel gewinnen. Man braucht die ganze Mannschaft.» Gleichzeitig sei Rugby ein Sport, in dem unterschiedlichste Menschen zusammenfinden. «Es spielt keine Rolle, ob jemand gross, klein, kräftig oder schlank ist. Jede Person hat ihren Platz im Team.»
Die Entwicklung der Geneva Guardians beeindruckt ihn. Seit der Gründung Anfang Jahr zählt der Verein bereits rund 45 Mitglieder. Trainiert wird zweimal pro Woche. Langfristiges Ziel sind die Teilnahme am Union Cup des «International Gay Rugby»-Verbands und die EuroGames 2027.
Für Vasileios ist der Verein weit mehr als nur Sport. «Viele queere Menschen fühlen sich im klassischen Vereinssport nicht immer wohl. Solche Teams schaffen sichere Räume, in denen man sich akzeptiert und willkommen fühlt.»
Zwischen Backstube und Community
Auch bei network hat Vasileios einen Ort gefunden, an dem Austausch und Gemeinschaft im Zentrum stehen. Auf den Verein aufmerksam wurde er bereits vor rund zehn Jahren durch einen Freund. Als Interessent besucht er seit vergangenem Jahr regelmässig Veranstaltungen in der Region Genf-Lausanne.
«Ich mag die Atmosphäre sehr», sagt er. Besonders die kulturellen Anlässe und die Vielfalt der Mitglieder hätten ihn überzeugt. «network organisiert spannende Events und bringt Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen.»
Langweilig wird es ihm in den kommenden Jahren trotzdem nicht. Noch dieses Jahr plant er die Eröffnung eines Tea Rooms, Anfang nächsten Jahres soll bereits eine zweite Filiale im Raum Nyon folgen.
Trotz des vollen Kalenders wirkt er entspannt: «Wenn du liebst, was du tust, gibt es dir Energie.» Deshalb zieht es ihn nach langen Arbeitstagen oft nicht aufs Sofa, sondern direkt ins Rugbytraining. «Am Ende zählt doch vor allem eines», sagt er. «Dass man abends glücklich nach Hause geht.»