Politik 27.10.26
«Die Leihmutterschaft ist mit viel Recherche verbunden»
Am 28. Oktober lädt die Politische Kommission (PoKo) von network gemeinsam mit der Region Zürich zu einem Informationsabend über Leihmutterschaft ein. Eine politische Position hat network dazu bisher nicht bezogen, sagt Mitorganisator und PoKo-Co-Leiter Peter Christen.
Leihmutterschaft ist ein komplexes Thema, das rechtliche, gesellschaftliche und ethische Fragen aufwirft. In der Schweiz ist sie verboten. Dennoch entscheiden sich Paare mit Kinderwunsch dafür, im Ausland eine Familie zu gründen. Was bedeutet das für die Betroffenen? Welche Hürden müssen sie überwinden? Und wie ist die rechtliche Situation, wenn sie mit ihrem Kind in die Schweiz zurückkehren?
Diesen und weiteren Fragen widmet sich ein Informationsabend am 28. Oktober in Zürich. Organisiert wird er von der Region Zürich und der Politischen Kommission von network. «Wir wollen unseren Mitgliedern Informationen vermitteln. Der Anlass ist kein Bekenntnis von network für oder gegen Leihmutterschaft», betont Peter Christen.
Erst informieren, dann Position beziehen
Neben vielen andern Themen widmet sich die PoKo auch der Leihmutterschaft. Eine politische Haltung hat network zur Leihmutterschaft bisher nicht festgelegt. Das könnte sich zu einem späteren Zeitpunkt ändern. «Wir möchten die Networker später einbeziehen, um herauszufinden, welche Position unser Verein zu diesem Thema vertreten soll», erklärt Peter. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Mitglieder die verschiedenen Aspekte kennen und sich dann eine fundierte Meinung bilden können.
Der Informationsabend richtet sich deshalb ausdrücklich nicht nur an Männer mit Kinderwunsch oder politisch interessierte Mitglieder. «Man kann sich auch mit dem Thema auseinandersetzen, wenn eine Leihmutterschaft für einen selbst gar nicht infrage kommt.»
Einen Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen gibt Networker und Rechtsanwalt Stefan Grieder, der sich ebenfalls in der PoKo mit dem Thema beschäftigt. Anschliessend berichten Regenbogenväter von ihren persönlichen Erfahrungen und beantworten Fragen aus dem Publikum.
Wer sich für ein Kind aus Leihmutterschaft entscheidet, steht zunächst vor zahlreichen Fragen. «Die Leihmutterschaft ist mit viel Recherche verbunden», sagt Peter. Weil sie in der Schweiz verboten ist, müssen sich Interessierte unter anderem darüber informieren, in welchen Ländern sie unter welchen Voraussetzungen möglich ist und welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben.
Auch die Rückkehr in die Schweiz muss sorgfältig vorbereitet werden. «Jeder Einzelne muss sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und sich überlegen, was auf ihn zukommt.»
Dabei sei Leihmutterschaft keineswegs ausschliesslich ein Thema für schwule Männer. «Es gibt auch viele heterosexuelle Paare, die eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen.» Laut Peter machen heterosexuelle Paare in der Schweiz ca. zwei Drittel derjenigen aus, die diesen Weg wählen.
Hürden bei der Anerkennung der Elternschaft
Eine besondere Herausforderung für Regenbogenväter ist die rechtliche Anerkennung beider Elternteile. In der Regel werde der biologische Vater in der Schweiz anerkannt, erklärt Peter. Für seinen Partner sei die Situation hingegen deutlich komplizierter.
«Dann beginnt der grosse Hürdenlauf mit den Behörden.» Fragen rund um die rechtliche Elternschaft des zweiten Elternteils, das Bürgerrecht des Kindes und die Anmeldung des Kindes in der Wohngemeinde und müssen geklärt und entschieden werden. Nach geltendem Recht ist für den zweiten Vater in der Regel eine Stiefkindadoption erforderlich.
Peter kritisiert insbesondere die Dauer und die kantonal unterschiedliche Handhabung dieser Verfahren. «Für die Betroffenen ist das sehr schwierig und ermüdend. Und dem Kind fehlt lange ein zweiter Elternteil, was problematisch ist». network, Pink Cross und weitere Organisationen möchten sich deshalb zunächst für eine Vereinfachung und Vereinheitlichung einsetzen. Die entsprechenden Überlegungen haben erst begonnen.
Auch auf Bundesebene gibt es Bestrebungen, die rechtliche Situation zu verbessern. Ein Vorschlag des Bundesrats zur Vereinfachung der Stiefkindadoption enthalte aus Peters Sicht zwar positive Ansätze, lasse aber auch wichtige Punkte offen.
Umso wichtiger sei es, die verschiedenen Zusammenhänge zu verstehen, bevor sich network als Verein politisch positioniert. Der Informationsabend soll dafür eine Grundlage schaffen – und Raum bieten, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und offen miteinander zu diskutieren.
Der Informationsabend «Leihmutterschaft – Perspektiven, Erfahrungen und rechtliche Fragen» findet am Mittwoch, 28. Oktober, um 18 Uhr im Theater Stok in Zürich statt. Der Anlass steht Networkern und Friends offen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, an einem Apéro teilzunehmen. Die Platzzahl ist begrenzt. Die Anmeldung erfolgt über My Network (Intranet) oder per Mail an Michi Suter (michael.suter@network.ch).