KMU 31.7.26
«Innovation braucht Menschen, die den Sinn verstehen»
Die Z’graggen Distillerie wird heute in dritter Generation von Alex Z’graggen und seinem Cousin Daniel geführt. Mit modernen Produktionsanlagen, neuen Produkten und klaren Qualitätsprozessen entwickeln sie den Familienbetrieb weiter.
Schon als Kind gehörte das Familienunternehmen zum Alltag von Alex Z’graggen. Am Esstisch wurde weniger über Nachbarn gesprochen als über Kund:innen, Restaurants oder neue Ideen für die Brennerei. Trotzdem war für ihn lange nicht selbstverständlich, eines Tages selbst einzusteigen.
Nach dem Studium der Betriebsökonomie zog es ihn zunächst in die Konsumgüterbranche. Praktika bei Lindt & Sprüngli und Carlsberg sowie eine Tätigkeit bei Beiersdorf gaben ihm Einblick in internationale Markenunternehmen. «Mich haben Produkte fasziniert, die Menschen täglich begleiten und hinter denen starke Marken stehen.»
Mit der Zeit stellte er jedoch fest, dass grosse Konzerne auch ihre Grenzen haben. «Man ist stark von den Vorgesetzten abhängig. Mit jedem Führungswechsel ändern sich oft Strategie und Prioritäten.» Der Wunsch wuchs, langfristig an eigenen Ideen arbeiten und Entwicklungen selbst gestalten zu können.
Zwei Cousins übernehmen den Betrieb
2021 übernahmen Alex und sein Cousin Daniel die Brennerei im Rahmen der Nachfolgeregelung. Beide halten heute je 50 Prozent des Unternehmens.
Ob die Zusammenarbeit funktionieren würde, wussten sie anfangs selbst nicht. Zwar waren sie im gleichen Dorf aufgewachsen, hatten jedoch unterschiedliche berufliche Erfahrungen gesammelt. «Wir haben gesagt: Wir probieren es aus. Wenn es nach zwei Jahren nicht passt, müssen wir ehrlich zueinander sein.»
Heute, fünf Jahre später, funktioniert die Zusammenarbeit besser denn je. Gerade ihre unterschiedlichen Hintergründe seien eine Stärke. Daniel bringt viel Fachwissen aus der Lebensmittel- und Weinbranche mit, Alex seine Erfahrung aus Marketing und Konsumgüterindustrie.
Unterschiedliche Meinungen gehören für beide selbstverständlich dazu. «Wenn wir uns einmal nicht einig sind, schlafen wir oft eine Nacht darüber. Am nächsten Tag finden wir fast immer einen Kompromiss.» Entscheidend sei, dass am Ende beide hinter dem Entscheid stehen. «Ein ‹Ich habe es dir ja gesagt› gab es bei uns noch nie.»
Innovation bedeutet für Alex nicht, möglichst vieles neu zu machen. Vielmehr gehe es darum, einen gewachsenen Familienbetrieb behutsam weiterzuentwickeln. Zu den grössten Projekten der vergangenen Jahre zählt der Aufbau eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems. «Wir haben unsere Prozesse komplett neu strukturiert und die Lebensmittelsicherheit auf ein neues Niveau gebracht.» Gerade grosse Kunden stellten heute hohe Anforderungen an ihre Lieferanten.
Auch technisch hat sich einiges verändert. Erst kürzlich nahm die Distillerie eine neue Brennanlage in Betrieb, die zu den modernsten Europas zählt. Dass die Mitarbeitenden diese Veränderungen mitgetragen haben, überrascht Alex nicht. «Wenn die Menschen verstehen, weshalb man etwas verändert, verschwindet der Widerstand meistens.» Entscheidend sei, den Sinn hinter einer Innovation aufzuzeigen. «Dann holen wir die Mitarbeitenden mit ins Boot.»
«Der Alkohol wird heute oft verteufelt»
Nicht nur die Brennerei verändert sich – auch der Markt entwickelt sich weiter. Der Alkoholkonsum geht zurück, und Spirituosen stehen zunehmend in der Kritik.
«Alkohol wird heute oft verteufelt», sagt Alex. Gleichzeitig beobachtet er, dass sich das Konsumverhalten verändert. Statt hochprozentiger Spirituosen seien leichtere Aperitifs oder neue Genussformen gefragt.
Darauf reagiert die Distillerie mit neuen Produkten wie dem «Wild Apero», einem Wein-Aperitif aus rein Schwyzer Zutaten und deutlich geringerem Alkoholgehalt. Zudem veröffentlicht das Unternehmen auf seiner Website laufend neue Cocktail- und Rezeptideen.
Einen Einstieg in alkoholfreie Spirituosen schliesst Alex hingegen aus. «Das entspricht nicht unserer Kernkompetenz.» Die Herstellung unterscheide sich grundlegend von jener klassischer Spirituosen. «Wir wollen uns auf das konzentrieren, was wir wirklich können.»
Zu network fand Alex über eine Empfehlung eines Freundes. Beim ersten Anlass der Regionalgruppe Innerschweiz fühlte er sich sofort willkommen.
«Mich beeindruckt, wie offen die Menschen miteinander umgehen», sagt er. Besonders schätzt er den Austausch mit Berufsleuten aus ganz unterschiedlichen Branchen. «Nach einem network-Anlass gehe ich immer mit einem guten Gefühl nach Hause.»
Gerade als Unternehmer seien solche Gespräche wertvoll. «Es tut gut, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Herausforderungen kennen und ihre Erfahrungen offen teilen.»