Mentoring-Programm 31.8.26
«Wir wollen das Wissen innerhalb von network weitergeben»
Vom nächsten Karriereschritt bis zur Gründung eines eigenen Unternehmens: Mit einem Mentoring-Programm macht network Zürich das Wissen und die Erfahrung seiner Mitglieder füreinander nutzbar. Die Pilotphase mit drei Mentoren läuft seit Februar.
Die Idee entstand 2025 bei den Young Professionals: Ein Mentoring-Programm sollte jüngere Networker bei beruflichen Fragen unterstützen. Gleichzeitig gab es in der Regionalgruppe Zürich ähnliche Überlegungen. Statt zwei parallele Projekte weiterzuverfolgen, wurden die Initiativen zusammengeführt. Bald zeigte sich, dass Mentoring keineswegs nur bei Berufseinsteigern auf Interesse stösst.
«Unterstützung kann man in jeder Phase der Karriere brauchen», sagt Jean François Schmid, der das Pilotprojekt gemeinsam mit Hansruedi Zellweger und Hans-Peter Fricker aufgebaut hat. Das könne beim Einstieg ins Berufsleben sein, bei einer beruflichen Neuorientierung, aber auch beim Wechsel ins Senior Management, bei der Vorbereitung auf eine Verwaltungsratsposition oder bei der Gründung eines eigenen Unternehmens.
Unterschiedliche Erfahrungen
Die drei Mentoren bringen entsprechend unterschiedliche Erfahrungen mit. Hansruedi ist professioneller Coach, Hans-Peter verfügt über langjährige Führungserfahrung im Profit- und im Non-Profit-Bereich und Jean François blickt auf mehr als 30 Jahre internationale Berufserfahrung zurück, unter anderem in London und New York, dies in den Bereichen Hightech und Telekommunikation.
Wer sich für das Mentoring anmeldet, erhält die Profile der Mentoren und entscheidet selbst, wer am besten zur eigenen Fragestellung passt. «Manche wählen ihren Wunschmentor aufgrund der Branche, andere wegen der Sprache oder weil sie in einem Lebenslauf etwas entdecken, das sie anspricht», erklärt Jean François. Angeboten wird das Mentoring auf Deutsch, Französisch und Englisch.
Seit dem Start im Februar haben neun Networker das Angebot genutzt. Für Jean François ist das angesichts der rund 200 Mitglieder der Zürcher Regionalgruppe eine beachtliche Zahl: «Wir haben nie erwartet, dass plötzlich sehr viele Mitglieder teilnehmen. Nicht jedermann hat ständig ein Mentoring nötig. Aber im einzelnen Fall kann es eine sehr grosse Wirkung haben.»
Vom Vorstellungsgespräch bis zur Unternehmensgründung
Die Fragestellungen der Mentees sind sehr vielfältig. Wer auf Stellensuche ist, kann beispielsweise seinen Lebenslauf besprechen, Vorstellungsgespräche üben oder an seinen Networking-Fähigkeiten arbeiten. Andere beschäftigen sich mit grundsätzlicheren Fragen: Wo möchte ich in fünf Jahren stehen? Welche Fähigkeiten fehlen mir für den nächsten Karriereschritt? Welche Wege führen überhaupt dorthin?
Manchmal ist die Unterstützung sehr konkret. So bereitete Jean François einen Mentee auf ein Vorstellungsgespräch mit einem amerikanischen Verwaltungsratsmitglied vor. Andere Mentoring-Beziehungen dauern mehrere Monate, etwa wenn es um die Entwicklung einer Geschäftsstrategie oder den Aufbau eines eigenen Unternehmens geht.
In der Regel treffen sich Mentor und Mentee alle zwei bis vier Wochen für rund eine Stunde. Einen vorgeschriebenen Ablauf oder eine fixe Dauer gibt es nicht. «Wenn jemand die Unterstützung erhalten hat, die er braucht, kann das Mentoring beendet werden.»
Wichtig ist Jean François dabei die Abgrenzung zum Coaching. «Beim Mentoring geben wir unabhängige Ratschläge auf der Basis unserer eigenen Erfahrungen.» Ein Coaching sei in der Regel stärker formalisiert, arbeite mit definierten Entwicklungszielen und werde häufig vom Arbeitgeber finanziert. Das Mentoring bei network ist dagegen bewusst persönlicher und informeller.
Persönliche Treffen statt Videocalls
Was innerhalb der Gespräche besprochen wird, bleibt vertraulich. Dafür wurde eigens eine vom nationalen Vorstand genehmigte Vertraulichkeitsvereinbarung erarbeitet. Gerade bei persönlichen Karrierefragen ist Vertrauen entscheidend.
Deshalb bevorzugen die Mentoren Treffen vor Ort. Zwar könne man einen Lebenslauf problemlos per Videocall besprechen oder auch ein Vorstellungsgespräch online üben. «Aber gerade bei Bewerbungen spielt die nonverbale Kommunikation eine grosse Rolle», sagt Jean François. Im persönlichen Gespräch liessen sich Vertrauen und Sicherheit besser aufbauen.
Technisch ist das Programm dagegen bewusst unkompliziert gehalten. «Wir haben eine Excel-Tabelle und eine Cloud. Das ist alles», sagt Jean François lachend. Für die Pilotphase wolle man keine unnötig komplizierte Infrastruktur schaffen: Entscheidend sei zunächst, ob das Angebot funktioniert.
Ein bislang wenig genutzter Schatz
Für Jean François zeigt die bisherige Erfahrung, welches Potenzial innerhalb von network vorhanden ist. Viele Mitglieder verfügen über jahrzehntelange Berufs- und Führungserfahrung: Wissen, von dem andere unmittelbar profitieren können. «Das ist ein bislang wenig genutzter Schatz, den wir unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen können.»
Gerade in einer Zeit, in der auch Menschen in ihren Dreissigern und Vierzigern unerwartet ihre Stelle verlieren, kann eine solche Unterstützung wertvoll sein. Externes Mentoring oder Coaching sei zudem oft teuer. Bei network stellen die Mentoren ihre Erfahrung kostenlos zur Verfügung.
Nach einem Jahr soll die Pilotphase Anfang 2027 ausgewertet werden. Bereits jetzt ist das Interesse vorhanden, das Modell auch auf andere Regionen zu übertragen. Jean François möchte dabei jedoch nichts überstürzen. Die Regionen sollen selbst entscheiden, ob und wie sie ein entsprechendes Angebot aufbauen möchten.
In Zürich jedenfalls läuft das Mentoring weiter und es hat noch freie Kapazitäten. Interessierte Mitglieder können sich unter Mentoringzh@network.ch melden. «Wir machen das, weil wir überzeugt sind, dass es richtig ist», sagt Jean François. «Wir haben bei network unglaublich viel Erfahrung. Dieses Wissen wollen wir auch an unsere Mitglieder weitergeben.»