Club Dinner 31.8.26
«Jürg Lauber hat die gläserne Decke durchbrochen»
Der ehemalige Schweizer Botschafter und Präsident des UNO-Menschenrechtsrats Jürg Lauber ist Ehrengast des nächsten Club Dinners am 2. Oktober. Es gebe auch heute nur wenige offen schwule Männer in internationalen Spitzenpositionen, sagt Organisator Hansruedi Zellweger.
Wenn Jürg Lauber am 2. Oktober beim Club Dinner zu Gast ist, trifft er auf einige Networker, denen er bereits vor sieben Jahren eine ganz besondere Tür geöffnet hat. 2019 organisierte network anlässlich von 50 Jahren Stonewall eine Reise nach New York. Die Gruppe nahm nicht nur an den Pride-Feierlichkeiten teil, sondern erhielt dank Lauber auch Einblick in eine Welt, die Besucherinnen und Besuchern normalerweise weitgehend verschlossen bleibt.
«Jürg hat uns damals zur UNO eingeladen», erinnert sich Hansruedi Zellweger. Lauber vertrat zu dieser Zeit die Schweiz als Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York. Die Networker konnten die UNO besichtigen und im Plenarsaal Platz nehmen. «Das war unsere erste Begegnung mit ihm.»
Eine Karriere auf internationalem Parkett
Seither hat Lauber seine diplomatische Karriere konsequent fortgesetzt. Mehr als 30 Jahre stand er im diplomatischen Dienst der Schweiz und vertrat deren Interessen während eines grossen Teils dieser Zeit bei der UNO und anderen internationalen Organisationen. Zuletzt leitete er die Schweizer Mission in Genf. 2025 übernahm er zusätzlich das Präsidium des UNO-Menschenrechtsrats – eine Aufgabe, die ihm in der NZZ den Titel «Mister Multilateralismus» einbrachte.
Für Hansruedi war dieses Amt eine besondere Anerkennung. «Das Präsidium des Menschenrechtsrats ist ein äusserst anspruchsvoller Posten. Man muss Position beziehen, vermitteln und Staaten auch einmal zurechtweisen und das alles auf diplomatischem Parkett.»
Seit April dieses Jahres wartet bereits die nächste internationale Aufgabe: Lauber ist Vizepräsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).
Bemerkenswert ist Laubers Karriere für Hansruedi auch aus einem anderen Grund. Der Diplomat sei während seiner internationalen Laufbahn offen mit seiner sexuellen Orientierung umgegangen. «Für unsere Community ist Jürg ein grosses Aushängeschild. Er hat international gearbeitet und ist immer zu seiner sexuellen Orientierung gestanden.»
Gerade in höchsten Führungspositionen sei diese Sichtbarkeit nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. «Es gibt noch immer wenige offen schwule Männer, die es in absolute Top-Positionen schaffen, sei es in internationalen Organisationen oder in den Führungsetagen grosser Unternehmen», sagt Hansruedi. «Für mich hat Jürg diese gläserne Decke durchbrochen.»
Beim Club Dinner soll deshalb nicht nur Laubers diplomatische Karriere Thema sein. Im Gespräch mit SRF-Moderator und ehemaligem EU-Korrespondenten Michael Rauchenstein soll es auch darum gehen, wie sich Lauber während seiner Laufbahn als schwuler Mann auf internationalem Parkett bewegt hat. Schliesslich begann seine diplomatische Karriere vor mehr als 30 Jahren in einer Zeit, in der Offenheit über die eigene sexuelle Orientierung noch weit weniger selbstverständlich war als heute.
Von Schönheit und Korruption
Dass dabei auch der Humor nicht zu kurz kommen dürfte, zeigte sich bereits im Vorgespräch. Als Lauber erfuhr, dass beim vergangenen Club Dinner ein Balletttänzer zu Gast gewesen war, stellte er einen augenzwinkernden Vergleich zwischen den beiden Lebenswelten an. Während sich dessen Karriere um Schönheit, Kunst und Tanz gedreht habe, habe er selbst sich sein Berufsleben lang oft mit Korruption und Machtkämpfen auseinandersetzen müssen. «Das ist eine ganz andere Energie», meinte Lauber.
Für Hansruedi ist gerade diese jahrzehntelange Erfahrung ein Grund, weshalb sich die Networker auf einen spannenden Abend freuen dürfen. Lauber habe einen anspruchsvollen, aber aussergewöhnlichen Weg gewählt und wisse genau, wie man sich auf internationalem Parkett bewege.
Dass sich der Kreis nun bei network schliesst, freut Hansruedi besonders: 2019 ermöglichte Jürg Lauber den Networkern einen Einblick in die UNO in New York. Sieben Jahre und einige bedeutende Karriereschritte später ist er nun selbst Ehrengast beim Club Dinner. «Es gibt nur wenige, die es ganz nach oben schaffen. Was Jürg erreicht hat, ist eine grosse Anerkennung.»
Übrigens: In der nächsten Ausgabe des Display-Magazins erscheint ein grosses Interview mit Jürg Lauber.