Vereinsleben 29.4.26
Kinderwunsch: Ein komplexer Weg – aber möglich
Welche Möglichkeiten zur Familiengründung stehen schwulen Männerpaaren offen? Am 16. April widmete sich eine Ausgabe von «Les Apéros d’experts» in Lausanne diesem Thema. Als Expertin des Abends ordnete Dr. Tiffaine Stegmüller die rechtlichen Rahmenbedingungen ein.
«Der Anlass war noch beliebter als erwartet», sagt Networker Gabriel Rebetez, Fachanwalt SAV für Familienrecht in Biel/Bienne, der die Veranstaltung organisiert hat. Rund 30 Mitglieder aus verschiedenen Regionen, darunter auch aus der Nordwestschweiz, nahmen teil. «Es war sehr schön zu sehen, dass dieses Thema Networker aus der ganzen Schweiz zusammenbringt.»
Die Teilnehmenden standen an unterschiedlichen Punkten: Einige waren bereits mitten im Prozess der Familienplanung, andere informierten sich aus Interesse oder stellten erste Fragen. Gerade für diejenigen mit konkreten Plänen habe der Abend einen grossen Mehrwert geboten, so Gabriel.
Fokus auf rechtliche Fragen
Im Zentrum des Abends stand die rechtliche Einordnung verschiedener Möglichkeiten zur Familiengründung für schwule Männer. Neben Pflegefamilien und Co-Parenting-Modellen – etwa mit einer befreundeten Frau oder lesbischen Paaren – wurde insbesondere die Leihmutterschaft vertieft diskutiert.
Dabei lag der Fokus bewusst auf den rechtlichen Rahmenbedingungen. «Es ging darum zu verstehen, was in der Schweiz rechtlich erlaubt ist und was nicht», sagt Gabriel.
Die Durchführung einer Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten, kann jedoch im Ausland unter bestimmten Bedingungen legal erfolgen, sofern das jeweilige Land dies zulässt. Genau hier beginnen die komplexen Herausforderungen. «Viele waren überrascht, wie komplex, kostspielig und langwierig die Prozesse sind», so Gabriel.
Ein langer und kostspieliger Weg
Die medizinische Behandlung ist dabei oft nur ein Teil des Gesamtprozesses. Hinzu kommen umfangreiche rechtliche Abklärungen, sowohl im Ausland als auch in der Schweiz.
Zentral ist die Frage der rechtlichen Elternschaft: In der Regel ist nur einer der beiden Väter genetisch mit dem Kind verbunden. Der zweite Vater muss in der Schweiz ein Adoptionsverfahren durchlaufen – ein Prozess, der mehrere Jahre dauern kann und relativ strengen gesetzlichen Vorgaben unterliegt.
Auch administrative Fragen spielen eine zentrale Rolle: Die Rechte des Kindes und der Eltern sowie der Alltag hängen wesentlich von der rechtlichen Anerkennung der Elternschaft ab. «Ohne gute Vorbereitung können schwerwiegende und teilweise irreversible Probleme entstehen», warnt Gabriel.
Neben dem Zeitaufwand ist auch die finanzielle Belastung erheblich. Seriöse Programme beginnen im medizinischen Bereich im tiefen sechsstelligen Bereich. Hinzu kommen Kosten für Reisen, Vermittlung, Verfahren und rechtliche Begleitung.
Vorbereitung ist entscheidend
Ein zentraler Punkt des Abends war die Bedeutung einer fundierten und sorgfältigen Vorbereitung. Dr. Tiffaine Stegmüller betonte, wie wichtig es sei, sich frühzeitig professionell beraten zu lassen.
«Man sollte sich keinesfalls auf Internetrecherchen oder automatisierte Antworten verlassen und die Wahl der rechtlichen Begleitung sorgfältig treffen», fasst Gabriel zusammen. Gesetzliche Rahmenbedingungen können sich je nach Land schnell ändern. Zudem verfolgen viele kommerzielle Anbieter Interessen, die nicht immer mit denen der zukünftigen Eltern oder des Kindes übereinstimmen.
Ebenso entscheidend ist Transparenz gegenüber den Schweizer Behörden. Prozesse sollten frühzeitig gemeldet und sauber dokumentiert werden, insbesondere bei Schweizer Vertretungen im Ausland.
Ein Thema für die Zukunft
Für Gabriel ist klar: Der Kinderwunsch wird auch künftig ein wichtiges Thema bei network bleiben. Auch politisch sieht er Handlungsbedarf. Auf Bundesebene sind Entwicklungen im Gang, weshalb es wichtig ist, dass sich die Community einbringt und informiert bleibt.
Gabriel und sein Partner haben derzeit keinen Kinderwunsch. «Auch wenn man selbst keine Kinder möchte, ist es mir wichtig, diejenigen zu unterstützen, die diesen Weg gehen wollen», sagt er. «Das Recht, eine Familie zu gründen, ist fundamental – und als Community sollten wir solidarisch füreinander einstehen.»