Vereinsleben 27.10.26
Wie sicher sind Pride-Veranstaltungen in der Schweiz?
Angriffe auf queere Veranstaltungen im Ausland werfen auch hierzulande Fragen zur Sicherheit von Pride-Anlässen auf. Die Stadtpolizei Zürich berücksichtigt solche Ereignisse bei ihrer Einsatzplanung, wie Mediensprecherin Anita Gfeller erklärt. Dabei tragen Veranstalter und Polizei unterschiedliche Verantwortlichkeiten.
Wenn Tausende Menschen an einer Pride gemeinsam auf die Strasse gehen, steht die Freude über die Vielfalt und das gemeinsame Engagement für die Rechte der LGBTIQ-Community im Vordergrund. Auch network beteiligt sich regelmässig mit Mitgliedern an Pride-Umzügen. Doch solche Grossveranstaltungen stellen die Organisatoren und Sicherheitsbehörden vor besondere Herausforderungen.
Nach dem Vorfall am Christopher Street Day (CSD) in Berlin stellt sich auch in der Schweiz die Frage, wie die Sicherheit queerer Grossveranstaltungen gewährleistet wird. Welche Auswirkungen haben Angriffe im Ausland auf die Planung von Anlässen wie der Zurich Pride? Und wer ist für welche Schutzmassnahmen verantwortlich? Für eine Einschätzung hat network die Stadtpolizei Zürich kontaktiert. Die Verbindung zur Polizei besteht auch über Networker Peter Sahli, der bei der Stadtpolizei Zürich tätig ist. Die Fragen beantwortete Korporal Anita Gfeller vom Mediendienst.
Ereignisse im Ausland fliessen in die Planung ein
Dass Angriffe auf Veranstaltungen im Ausland auch für die Sicherheitsbehörden in Zürich relevant sind, bestätigt Anita. «Das Ereignis von Berlin wird selbstverständlich in die Lagebeurteilungen hinsichtlich Grossveranstaltungen wie unter anderem der Pride oder auch der Street Parade miteinbezogen.»
Die Polizei berücksichtigt bei ihrer Planung also nicht nur die unmittelbare Situation vor Ort, sondern auch mögliche Bedrohungen, die sich aus Ereignissen ausserhalb der Schweiz ergeben. «Die Lagebeurteilung der Stadtpolizei beinhaltet auch solche Bedrohungslagen. Entsprechend ist auch unser Sicherheitskonzept ausgelegt.»
Dabei stützt sich die Stadtpolizei nicht ausschliesslich auf eigene Erkenntnisse. Auch die Einschätzungen von Kanton und Bund zur allgemeinen Sicherheitslage in der Schweiz fliessen in ihre Überlegungen ein. Eine konkrete Aussage darüber, wie hoch die Gefährdung für queere Grossveranstaltungen derzeit eingestuft wird, macht die Stadtpolizei hingegen nicht.
Wer ist für die Sicherheit verantwortlich?
Bei Grossveranstaltungen wie der Zurich Pride arbeiten die Organisatoren und die Polizei zusammen. Die Verantwortlichkeiten sind dabei klar verteilt. «Das Ziel ist immer, zusammen mit dem Veranstalter die grösstmögliche Sicherheit zu gewährleisten», erklärt Gfeller. Die Veranstalter sind grundsätzlich dafür verantwortlich, die veranstaltungsbezogenen Sicherheitsmassnahmen zu planen und umzusetzen.
Die Polizei wiederum ist in erster Linie für die Sicherheit im öffentlichen Raum zuständig. Sie beurteilt die polizeilichen Risiken, legt im Rahmen ihrer Zuständigkeit notwendige Auflagen fest und plant ihre eigenen Einsätze. Dazu gehören insbesondere die Gefahrenabwehr und die Strafverfolgung.
Entscheidend ist, dass diese unterschiedlichen Aufgaben aufeinander abgestimmt werden. «Die jeweiligen Massnahmen des Veranstalters und der Polizei werden in der Regel aufeinander abgestimmt», so die Sprecherin. Das bedeutet auch, dass die Verantwortung für die Sicherheit einer Pride nicht allein bei der Polizei liegt. Die Veranstalter müssen eigene Vorkehrungen treffen, während die Sicherheitsbehörden jene Aufgaben übernehmen, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen.
Bei Grossveranstaltungen aus, die den öffentlichen Raum beanspruchen, sprechen Veranstalter und Polizei ihre jeweiligen Einschätzungen und Massnahmen aufeinander ab. Das gilt auch für die Zurich Pride, bei der neben dem eigentlichen Veranstaltungsprogramm insbesondere der Demonstrationsumzug durch die Stadt eine wichtige Rolle spielt. Die Sicherheitsplanung ist damit keine isolierte Aufgabe der Polizei, sondern beruht auf dem Zusammenspiel verschiedener Verantwortlicher.