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Pride und Vernetzung 26.6.26

network in Prag: Europäische Vernetzung in stürmischen Zeiten

Bild: EPBN

Wie können Unternehmen auch bei politischem Gegenwind inklusive Arbeitsplätze schaffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am letzten Maiwochenende die Mitglieder von European Pride Business Network (EPBN) in Prag. network war dabei.

Über 550 Teilnehmende aus 24 europäischen Ländern, mehr als 130 Unternehmen und Organisationen sowie Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kamen zur EPBN-WISE-Konferenz in Prag zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, Strategien für mehr LGBTI-Inklusion am Arbeitsplatz zu entwickeln und den Austausch zwischen europäischen Organisationen zu fördern. Gleichzeitig wurden die Role Model Awards verliehen und die Generalversammlung von EPBN wurde abgehalten.

Für network nahm unter anderem Vizepräsident Dirk Langer an der Konferenz teil. «Wir wollten uns einen Eindruck verschaffen, wie andere nationale Organisationen arbeiten und welche internationalen Aktivitäten für unsere Mitglieder einen konkreten Mehrwert bieten könnten», erklärt er.

Inklusion als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor
Für Dirk war die Konferenz auch deshalb spannend, weil sie einen anderen Blickwinkel auf das Thema Diversität eröffnete. «Es ging nicht darum, Privilegien für sexuelle Minderheiten einzufordern», sagt er. «Im Zentrum steht die Frage, wie Unternehmen die Voraussetzungen dafür schaffen können, dass sich Mitarbeitende sicher fühlen und ihr Potenzial voll entfalten können.»

Gerade in Zeiten eines gesellschaftlichen «Backlashs» ist dies Ansatz wichtig. Viele Unternehmen würden nach aussen vorsichtiger auftreten als noch vor einigen Jahren. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Bemühungen um Diversität und Inklusion tatsächlich eingestellt werden.

«Ich fand es interessant zu sehen, dass viele Unternehmen weiterhin davon überzeugt sind, dass die Schaffung einer gesunden Unternehmenskultur entscheidend für Geschäftserfolg ist, und dazu gehören Diversität und Inklusion. Letzlich nehmen die Arbeitgeber dadurch nur ihre gesetzliche Fürsorgepflicht wahr», stellt Dirk fest.

Mikroaggressionen bleiben ein Problem
Besonders aufmerksam verfolgten die Teilnehmende die Präsentation einer neuen europäischen Studie, die im Rahmen der Konferenz vorgestellt wurde. Die Untersuchung unter mehr als 3’000 LGBTI-Personen aus fünf europäischen Ländern zeigte, dass 63 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz aufgrund von Mikroaggressionen als nicht vollständig inklusiv wahrnehmen.

Mikroaggressionen seien oft schwer greifbar, erklärt Dirk. «Es geht hier um Fälle unterhalb der rechtlichen Schwelle zum dauerhaften Mobbing, um kleine Bemerkungen, Gesten oder Kommentare, die auf Dauer sehr belastend sein können.» Gerade für besonders verletzliche Gruppen innerhalb der LGBTI-Community könnten solche Erfahrungen zermürbend sein.

Die Studie zeige deutlich, dass weiterhin Handlungsbedarf bestehe. Gleichzeitig bestätige sie die positive Wirkung von Diversity- und Inklusionsmassnahmen am Arbeitsplatz auf den unternehmenserfolg.

Der Arbeitsplatz als sicherster Ort?
Interessant waren gerade Erfahrungsberichte von Teilnehmenden aus Mittel- und Osteuropa. So berichteten Vertreterinnen und Vertreter aus Ländern wie der Slowakei, Bulgarien odr Ungarn, dass sie sich teilweise am Arbeitsplatz sicherer fühlten als im privaten Umfeld.

«Das hat mich nachdenklich gemacht», sagt Dirk. «Wir sprechen oft darüber, wie wichtig ein sicheres Arbeitsumfeld ist. Für manche Menschen ist der Arbeitsplatz tatsächlich einer der wenigen Orte, an denen sie sich akzeptiert und geschützt fühlen.»

Europäische Auszeichnung für Angelo Caltagirone
Ein Höhepunkt der Konferenz war die Verleihung der europäischen Role Model Awards. Dabei wurden 28 Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in Europa für Sichtbarkeit und Inklusion engagieren.

Zu den Geehrten gehörte auch Angelo Caltagirone, der sowohl Mitglied von network als auch der italienischen Schwesterorganisation Associazione EDGE ist. Er wurde in der Kategorie «Leader LGBTIQ+ Role Models» ausgezeichnet. Für Dirk war dies ein schönes Zeichen für die internationale Vernetzung innerhalb der europäischen Community. «Es hat gezeigt, dass das Engagement von Menschen aus unserem Netzwerk auch über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen wird.»

Die Konferenz machte deutlich, dass viele Herausforderungen europaweit ähnlich sind: gesellschaftliche Polarisierung, politische Gegenbewegungen und die Frage, wie Vielfalt auch künftig sichtbar bleiben kann.

Für Dirk Langer steht nach den Tagen in Prag vor allem eines fest: «Diversity und Inklusion sind kein Selbstzweck. Es geht ganz einfach darum darum, dass sich alle an ihrem Arbeitsplatz sicher, wertgeschätzt und frei fühlen. Davon profitieren die Mitarbeitenden genauso wie die Unternehmen selbst.»

Und genau deshalb sei der Austausch mit Organisationen aus ganz Europa auch für network wertvoll. «Wir können voneinander lernen – und gemeinsam dafür sorgen, dass die Fortschritte der letzten Jahrzehnte nicht verloren gehen.»

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