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Pride und Leadership 26.6.26

«Veränderung gelingt nur, wenn die Menschen mitgenommen werden»

Unternehmen stehen heute unter ständigem Veränderungsdruck. Wachstum, Kostensenkungen, neue Technologien oder geopolitische Unsicherheiten verlangen nach Anpassungen. Networker Niklaus Wildberger begleitet solche Transformationen beruflich seit vielen Jahren.

Im Gespräch erklärt Networker Nik, weshalb Veränderungsprozesse oft scheitern, was Unternehmen von der LGBTI-Bewegung lernen können und warum Pride für ihn auch ein Anlass ist, an Errungenschaften zu erinnern.

Transformationen in Unternehmen drehen sich laut Nik meist um zwei Themen: Wachstum und Effizienz. Oft gehe es darum, Kosten zu senken und gleichzeitig neue Wachstumsfelder zu erschliessen.

«Das Spannende ist nicht das reine Sparen», sagt er. «Die eigentliche Frage lautet: Woher kommt das Wachstum der Zukunft?» Gerade deshalb seien Transformationsprojekte so anspruchsvoll. Je mehr Menschen, Hierarchiestufen und Interessen beteiligt seien, desto komplexer werde der Prozess – und gleichzeitig auch interessanter.

Klare Ziele statt Aktionismus
Aus seiner Erfahrung scheitern Transformationen häufig aufgrund von 3 Faktoren: fehlender Klarheit zu den Zielen, mangelndes Mitnehmen der Betroffenen und schlechter Umsetzungsprozess. «Wenn man nicht weiss, was man erreichen will, wird es schwierig», sagt Nik. Ein erfolgreicher Wandel brauche ein klares Zielbild und einen gut strukturierten Prozess. Gerade bei uns in der Schweiz spiele dabei die Einbindung der Mitarbeitenden eine wichtige Rolle.

«Man kann nicht jede Entscheidung demokratisch treffen», sagt er. «Aber die Menschen müssen die Möglichkeit haben, ihre Sicht einzubringen. Selbst wenn sie nicht mit allem einverstanden sind, sind sie eher bereit, Veränderungen mitzutragen.»

Ein typischer Fehler sei ein rein hierarchischer Top-down-Ansatz. Als Beispiel nennt er Stellenabbauprogramme, bei denen Mitarbeitende nicht nachvollziehen können, weshalb Entscheidungen getroffen wurden. «Das beschädigt Motivation und Unternehmenskultur langfristig.»

Resilienz in unsicheren Zeiten
Angesichts geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und zunehmender Polarisierung sieht Nik Resilienz als eine der wichtigsten Führungsaufgaben. «Resilienz bedeutet, unterschiedliche Szenarien durchzudenken und vorbereitet zu sein», sagt er. Unternehmen müssten sich fragen, wie sie reagieren würden, wenn Lieferketten zusammenbrechen, Märkte wegfallen oder politische Rahmenbedingungen sich verändern. «Wer verschiedene Möglichkeiten durchspielt, kann in Krisen schneller und besser handeln.»

Was Unternehmen von gesellschaftlichem Wandel lernen können
Für Nik gibt es interessante Parallelen zwischen Change Management und gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Akzeptanz von LGBTI-Menschen. «Ein zentraler Faktor ist Awareness, also das Bewusstmachen von Themen. Nachhaltiger Wandel entsteht nur dann, wenn Themen sichtbar bleiben und regelmässig ins Bewusstsein gerufen werden.» Es gehe nicht darum, ständig Positionen zu beziehen oder Veranstaltungen durchzuführen, sondern darum, Themen präsent zu halten und sichtbar zu machen.

Ebenso wichtig seien Geschichten. «Menschen verstehen Veränderungen besser, wenn sie die Geschichte dahinter kennen.» Das gelte für Unternehmen genauso wie für die LGBTI-Bewegung. Wer die Hintergründe und die Kämpfe früherer Generationen kenne, verstehe besser, weshalb Sichtbarkeit und Gleichberechtigung heute noch relevant seien.

Pride als Zeichen der Unternehmenskultur
Wenn über Pride gesprochen wird, wird oft auch die Rolle von Unternehmen diskutiert. Nik bewertet das Engagement von Unternehmen grundsätzlich positiv. «Unternehmen profitieren davon, wenn alle Mitarbeitenden ihr Potenzial einbringen können und sich am Arbeitsplatz akzeptiert fühlen. Gleichzeitig profitieren die Mitarbeitenden von einem Umfeld, in dem sie sich nicht verstellen müssen. Wenn beide Seiten gewinnen, ist das eine positive Entwicklung.»

Er erinnert sich an seine Zeit bei Boston Consulting Group als Studienabgänger Anfang der 2010er-Jahre. Damals sei das Thema LGBTI deutlich weniger sichtbar gewesen als heute. Die globale LGBT-Initiative und die dazugehörigen Konferenzen seien für ihn ein wichtiges Signal gewesen, dass schwule Mitarbeitende willkommen sind und offen auftreten können. «Natürlich verfolgen Unternehmen auch eigene Interessen. Aber solche Initiativen können einen wichtigen Beitrag zu einer offenen und inklusiven Unternehmenskultur leisten.»

Einen generellen Rückzug von Unternehmen beim Thema Diversity beobachtet Nik nicht. «Viele Unternehmen engagieren sich weiterhin stark, kommunizieren ihr Engagement heute aber oft etwas zurückhaltender.»

Auch persönlich hat sich die Bedeutung von Pride für Nik im Laufe seiner Karriere verändert. Früher sei das Thema für ihn stärker mit der eigenen Sichtbarkeit verbunden gewesen.

«Heute ist Pride für mich vor allem ein guter Moment, um an die Errungenschaften zu erinnern, die wir erreicht haben», sagt er. Vielen jüngeren Menschen sei gar nicht bewusst, wie viel sich in den letzten Jahrzehnten verändert habe.

Dabei spiele auch network eine wichtige Rolle. «Network schafft Sichtbarkeit und Awareness. Gleichzeitig ist es ein Ort, an dem Menschen Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und Freundschaften aufbauen können.»

Seinen Rat an junge queere Führungskräfte formuliert Nik einfach: «Auf die eigenen Stärken bauen.» Gerade Eigenschaften, die jemanden von klassischen Führungsvorbildern unterscheiden, könnten zu einem Vorteil werden. «Unterschiedlichkeit ist keine Schwäche. Sie ist eine Stärke. Genau darum geht es bei Diversität.»

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